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Dormagen: Zwölf Prozent mehr Babys in Dormagen

Dormagen : Zwölf Prozent mehr Babys in Dormagen

Die Bevölkerungszahl in der Stadt ist zum Ende des Jahres auf 65.166 Menschen gestiegen. Ausschlaggebend dafür ist aber nicht allein die gestiegene Zahl der Geburten, sondern eher das deutliche Plus bei den Zuzügen.

Norbert Heinen, Chef des gleichnamigen Autohauses im Gewerbepark Top West und Vorsitzender der dortigen Händlergemeinschaft, hat es in der vergangenen Woche so formuliert: "Die Lage von Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ist ein Vorteil. Die Lage ist aber auch ein Nachteil", sagte er bei der offenen Fraktionssitzung von CDU und SPD, zu der die Vorsitzenden der drei Werbegemeinschaften eingeladen gewesen sind. Fluch und Segen - wo es z.B. schwierig ist, in dieser Mittellage ein pulsierendes Geschäftsleben zu entwickeln, wenn ein paar Kilometer weiter die große, bunte Einkaufswelt lockt. Auf der anderen Seite profitiert Dormagen eindeutig bei der Wanderungsbewegung. "Sie ist die Basis dafür, dass Dormagen wächst", sagt die städtische Demografie-Expertin Kerstin Belitz. Am 31. Dezember lag die Bevölkerungszahl bei 65.166 Einwohnern, 34 mehr als ein Jahr zuvor. Nach den Ergebnissen der bundesweiten Zensus-Volkszählung hatte die Stadt im Mai 2011 noch 62.208 Einwohner.

Als ausgesprochen erfreulich sehen die Statistiker die Entwicklung bei den Geburten: Lag deren Zahl in 2016 noch bei 517, so waren es im vergangenen Jahr mit 578 Babys zwölf Prozent mehr. Allerdings, das betont Belitz, reiche diese Entwicklung nicht aus, um die Stadt wachsen zu lassen, im Gegenteil: "Weil dem 701 Sterbefälle gegenüber stehen", begründet sie mit in diesem Bereich stabilen Zahlen. Der Saldo ist mit 123 negativ. Es geht also um die Wanderungsbewegung und damit um die positive Rolle von Dormagen zwischen den Metropolen. Weil den Wegzügen von 2800 Menschen 2017 aber 3058 Menschen gegenüberstehen, die sich dafür entschieden, Dormagen als neue Heimat anzusehen, ergibt sich hier ein positiver Saldo und "die Erklärung für den Zuwachs bei der Bevölkerungszahl". Die Demografie-Experten im Rathaus und Vertreter in der Immobilienwirtschaft sehen in den (noch) günstigen Preisen für Wohneigentum und bei den Mieten den Grund dafür, dass es vor allem Düsseldorfer, aber auch Kölner in die zweitgrößte Kommune im Rhein-Kreis zieht.

Welche Rolle spielen die Flüchtlinge bei der positiven Entwicklung? Eine Aussage von Belitz lautet: "Die Wanderungszahlen von 5858 in 2017 liegen wieder im Bereich der Jahre vor der Flüchtlingswelle. 2015 und 2016 gab es je rund 7400 Zu- und Wegzüge. Klar ist, dass es viele Flüchtlinge gibt, die 2015 und 2016 in Dormagen ankamen, anerkannt sind und ihren Hauptwohnsitz hier haben.

Wie geht es weiter? Darüber kann nur spekuliert werden. Im Rathaus gibt es keine Modellrechnungen für die kommenden Jahre mehr. "Dazu haben wir keinen Auftrag der Politik", so Belitz. Sie weist auf die Schwierigkeiten hin, verlässliche Prognosen geben zu können. Die letzte wurde zum 31. Dezember 2015 erhoben. Die Flüchtlingswelle hat alles zu Makulatur werden lassen. So gibt es derzeit nur die Schätzung der Landesstatistiker von IT-NRW von 2015. Sie haben für Dormagen eine Bevölkerungsentwicklung für die Jahre von 2014 bis 2040 von plus 5,7 Prozent vorhergesagt. Zum Vergleich: Kaarst: -0,9 Prozent, Neuss +10,6 und Rommerskirchen +13,3 Prozent. Die Schätzung für 2020 liegt bei 63.720 Einwohner - wenig wahrscheinlich angesichts der aktuellen Zahl von 65.166 Menschen. "Aber auch IT-NRW kann nicht in die Glaskugel schauen, es bleiben Schätzungen", so Belitz.

Die Stadt reagiert längst, weil sie weiß, dass mehr Menschen künftig in Dormagen leben werden. Äußerer Ausdruck dafür sind Anstrengungen auf dem Wohnungsmarkt. Zum einen wird versucht, im Zusammenspiel mit den zuständigen Akteuren die Situation zu verbessern, aber noch viel mehr setzt man auf Neubauten: Nievenheim IV ist ein Beispiel, die Erweiterung des Malerviertels ein weiteres.

(schum)