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Dormagen: Zwei Städte entwickeln ein Industriegebiet

Dormagen : Zwei Städte entwickeln ein Industriegebiet

Die Stadtgrenze zwischen Dormagen und Neuss läuft genau durch eine hundert Hektar große Brache am Silbersee, in der beide Städte gemeinsam mit RWE Power ein Gewerbe- und Industriegebiet entwickeln wollen.

Für Dormagens Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann war es ein "denkwürdiges Ereignis". Gemeint war die gestrige Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung für die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbe- und Industriegebietes am Silbersee. Die Städte Dormagen und Neuss wollen zusammen mit dem Unternehmen RWE Power große Flächen wirtschaftlich wiederbeleben. "Es ist das erste Mal, dass unsere Städte in der Form zusammenarbeiten", sagte sein Neusser Amtskollege Herbert Napp.

Alle Partner sprechen von einer "idealen Fläche". Zum einen wegen der Größe — überplant werden soll eine Fläche, die in etwa so groß ist wie hundert Fußballfelder — zum anderen wegen der Verkehrsanbindung, aber vor allem auch, weil sie als ehemalige Industriebrache in die Vorstellungen von Bezirks- und Landesregierung passt. Hoffmann: "Interkommunale Gewerbeflächen sind dort von hohem Interesse." Die Bezirksregierung hält den Silbersee-Standort grundsätzlich für gut geeignet. In welche Richtung eine Entwicklung gehen soll, verdeutlichte der Neusser Bürgermeister: "Neuss ist auch ein Industrie-Standort. Wir werden gerade hier den Fokus verstärkt auf eine industrielle Nutzung legen", sagte Napp. Für Neuansiedlungen, aber auch als Möglichkeit für die angrenzenden Alu-Unternehmen zu expandieren.

Seit 50 Jahren liegt das rund 100 Hektar große Areal, früher Betriebsgelände der Zinkhütte, zwischen B 9 und A 57 brach. Es schließt sich unmittelbar an das Gelände der Aluminiumswerke von Alu Norf und Hydro an. In der langen Zeit haben sich Flora und Fauna sowie Lebensräume für Tiere entwickelt. Mit welchen Folgen für eine Planung? Um die Umweltverträglichkeit neuer Gewerbe- und Industrieansiedlungen im Umfeld des Silbersees zu überprüfen, hat RWE Power als größter Grundstückseigentümer bereits im vorigen Jahr eine erste faunistische Bestandsaufnahme vornehmen lassen. Eine Untersuchung der übrigen Flächen soll in diesem Jahr erfolgen. "Was wir vorgefunden haben, ist beherrschbar", sagte Alois Herbst, zuständiger Bereichsleiter bei RWE Power. "Ende des Jahres haben wir Klarheit." Klarheit darüber, ob es beispielsweise aufgrund der Ansiedlung von bestimmten Tier- oder Pflanzarten oder aufgrund von Schadstoffbelastungen im Erdreich Beschränkungen geben wird. Dass es dort Asbest-Bereiche gibt, ist bekannt. "Darüber lässt sich durchaus eine Halle bauen, ohne dass aufwendig Erdreich abgetragen werden muss", so Bürgermeister Hoffmann.

Für Dormagen ist damit klar, dass umstrittene Entwicklungspläne für den Kohnacker nicht verfolgt werden. Ferner spielt der Autobahnanschluss Delrath eine wichtigere Rolle, je konkreter das Projekt nach Abschluss einer Machbarkeitsstudie wird. Denn dadurch gelingt erst der perfekte trimodale Verkehr: Anschluss des neuen Industriegebietes durch die Eisenbahn, den Stürzelberger Hafen und eben die A 57. Und ein weiterer wichtiger Aspekt: "Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hat sich bereits nach dem Planungsstand für das Silbersee-Gebiet erkundigt", sagte Hoffmann. Beurteilt die Kommunalaufsicht das Vorhaben positiv, beeinflusst dies auch die Genehmigung des Haushaltssicherungskonzepts.

(NGZ/ac)