Dormagen: Zwei erste Hörspielpreise für Mundart-Autoren

Dormagen: Zwei erste Hörspielpreise für Mundart-Autoren

"In der Mundart hat man Nuancen des Ausdrucks, die das Hochdeutsche nicht kennt." Am Rande der Verleihung des Zonser Hörspielpreises brachte Meinulf Barbers, ehemaliger Leiter des Gymnasiums Korschenbroich, auf den Punkt, was Dialekte ausmacht. Das war vielfach zu erleben auf den Zonser Hörspieltagen 2010, die am Freitag mit den Auszeichnungen für das beste regionale Hörspiel sowie der Vergabe des SchnippZ-Preises für den innovativsten regionalen Kurzbeitrag im Hörfunk endeten.

Bei der bereits 16. Vergabe des Hörspielpreises konnte sich die Fachjury um Christian Hörburger nicht für einen ersten Preisträger entscheiden — und kürte gleich zwei Beiträge zu Siegern. Den mit 2500 Euro dotierten ersten Preis teilen sich Markus Werner und Holger Siemann. Stellvertretend für die verhinderten Hörspiel-Autoren nahmen ihre Redakteure und Regisseure den Preis in Empfang: Geri Dillier vom Schweizer Radio DRS1 stellte dabei das Hörspiel "Klemens" vor, in dem ein Bauer in einem schweizerischen Dialekt einen Monolog über Gott und die Welt führt — in einer Sprache, die es erlaubt, "ihm direkt in den Kopf zu schauen", wie Dillier betont. Für Holger Siemann nahm Gabriele Bigott vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Auszeichnung entgegen.

Das Hörspiel "Alles ist Erpel" erzählt in unverwechselbarer Berliner Diktion die Geschichte einer älteren Dame, die sich mit ihrer Putzfrau anfreundet und sie später heiratet. Auf dem dritten Platz landete das Hörspiel "Dederich für alle" von Frank Naumann (Regie: Steffen Moratz, MDR) — drei ausgezeichnete Beiträge, die zeigen, wie authentisch, identitätsstiftend und erfolgreich Mundart sein kann. Hans-Ulrich Klose, stellvertretender Landrat des Rhein-Kreises Neuss, verwies darauf, dass eben gerade in Zeiten der Globalisierung ein großes Bedürfnis nach regionaler Kulturpflege bestünde.

Ein ebenso humorvolles wie geistreiches Beispiel dafür liefert auch der erste Preisträger des zum vierten Mal vergebenen und mit 1000 Euro dotierten SchnippZ-Preises, der an Fritz Eckenga geht. Für ihn kam WDR2-Redakteur Hartmut Krause nach Zons. Ausgezeichnet wurden die beiden für ihren Sprachführer "Ruhrisch", in dem Eckenga Hörern den Reiz des Ruhrpott-Dialekts nahebringt. Und klar macht, dass die Lässigkeit der Sprache, die auf die vier Fälle des Hochdeutschen verzichten kann, auch ein Lebensgefühl transportiert. Motto: Auch das Sprechen muss nicht in Arbeit ausarten.

(NGZ)
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