Erik Lierenfeld: "Zusammenhalt ist das Gebot der Stunde"

Erik Lierenfeld : "Zusammenhalt ist das Gebot der Stunde"

Bürgermeister Erik Lierenfeld blickt auf die Themen Stadt-Entwicklung, Finanzen, Kita-Plätze, Sicherheit und Wahlkampf.

Herr Lierenfeld, beim Neujahrsempfang haben Sie Ihre Rede genutzt, um Klartext zu sprechen. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Erik Lierenfeld Zu Beginn des neuen Jahres erwarten die Menschen vom Bürgermeister ihrer Stadt, dass er ihnen eine Standortbestimmung gibt - und Hinweise auf das, was uns vor Ort erwartet. Der Neujahrsempfang ist dabei eine gute Gelegenheit, rund 500 Multiplikatoren aus Bürgerschaft, Wirtschaft und Politik auf einmal zu erreichen.

Viele Gäste reagierten positiv auf Ihre Aufforderung zu mehr Zusammenhalt und respektvollem Umgang...

Lierenfeld Das hat mich sehr gefreut. Ich gebe dieses Kompliment auch gerne an die Kinder der Erich-Kästner-Grundschule weiter. Sie haben mich zuletzt in einem Interview für ihre Schülerzeitung gefragt, was Respekt für mich bedeutet, und ob ich auch vor Donald Trump Respekt habe. Dabei ist mir klar geworden, dass sie damit einen zentralen Punkt angesprochen haben, weil Respekt in vielen Bereichen unserer Gesellschaft schwindet. Wir sollten alle wieder etwas mehr Respekt haben, sei es in sozialen Netzwerken, wo oft der die meisten Likes erhält, der die wildesten Beschimpfungen loslässt, oder auch in der persönlichen Begegnung mit den Mitmenschen. Das gilt übrigens auch für Politiker, die Anderen gegenüber Achtung zeigen sollten und selber ebenfalls einen respektvollen Umgang verdient haben. Entscheidend ist das Menschenbild, das dahinter steht.

Wie sehen Sie die Situation der Stadt Dormagen insgesamt?

Lierenfeld Dormagen ist eine prosperierende Stadt und insgesamt gut aufgestellt. Die Einwohnerzahl wächst, so sind in den Jahren 2010 bis 2015 rund 1800 Einwohner hinzugekommen. Neue Baugebiete wie Nievenheim IV oder das Malerviertel III werden dazu beitragen, dass die Stadt in ein paar Jahren anders aussieht als heute. Dormagen ist beliebt - dabei profitieren wir sicher auch von der guten Lage zwischen Köln und Düsseldorf. Aber die Stadt tut auch was dafür, so investieren wir dieses Jahr die Rekordsumme von 33 Millionen Euro. Der Großteil dieses Geldes fließt in Schulen, Kindertagesstätten, Sporteinrichtungen und die Sanierung von Straßen.

Wie steht es um die Stadt-Finanzen?

Lierenfeld Wir sind auf einem guten Weg: Der Stadtetat ist zum zweiten Mal in Folge mit einem leichten Plus verabschiedet worden. Die gute Konjunkturlage hat dazu beigetragen, dass der Haushalt für 2016 nicht mit dem geplanten Plus von 600.000 Euro, sondern mindestens vier Millionen Euro abschließen wird.

Wofür werden Sie das bisher nicht eingeplante Geld einsetzen?

Lierenfeld Das werden wir in die Rücklage stecken. Denn ein ausgeglichener Haushalt ist auf Dauer die Voraussetzung, um eigenständige finanzielle Entscheidungen zu treffen. Vor zwei Jahren waren wir noch in der Haushaltssicherung. Das gilt es, in Zukunft zu vermeiden.

Die Nachfrage nach Kita-Plätzen ist Ende 2016 geradezu explodiert. Bleibt es bei der Zusage der Stadt Dormagen, dass jedes Kind ab dem vierten Lebensmonat eine Betreuung erhält?

Lierenfeld Ja, auch wenn die Betreuung in Einzelfällen vielleicht einmal nicht im Wunsch-Kindergarten ermöglicht werden kann oder eine Betreuung in der Tagespflege ist. Wir werden die Kita St. Josef in Delhoven erweitern. Auch in Gohr und Zons stellen wir zusätzliches Geld für Erweiterungen der Träger zur Verfügung. In Horrem, der Innenstadt und Rheinfeld werden wir zusätzliche Gruppen einrichten und dafür zum Teil neue Gebäude bauen. An unserem sehr guten Betreuungsangebot im Rahmen des "Dormagener Modells" wollen wir festhalten.

Investitionen in Bauten, der Ausbau der Breitbandversorgung - es tut sich einiges in Dormagen. Was fehlt denn noch?

Lierenfeld Noch warten wir auf das Seveso-Gutachten, das nötig ist, um mehrere Bauprojekte umzusetzen. Da sind wir im April einen Schritt weiter. In Sachen schnelles Internet: Das hilft nicht nur Privathaushalten, sondern ist auch für Unternehmen einer der Faktoren, sich für eine Ansiedlung zu entscheiden. Da sind spätestens 2018 Delhoven und Hackenbroich ebenso angeschlossen.

Was unternimmt die Stadt, um den Bahnhof sicherer zu machen?

Lierenfeld Polizei und Ordnungsamt haben ihre Präsenz am Bahnhof verstärkt, um die Sicherheit zu erhöhen. Rund um die Uhr können wir aber nicht am Bahnhof vertreten sein. Gegen eine Videoüberwachung hätte ich nichts einzuwenden, wenn die Gesetzeslage dies hergäbe. Das wäre ein Baustein von vielen, um Straftaten aufzuklären und eine gewisse abschreckende Wirkung zu erzielen.

Ihr Wunsch für 2017?

Lierenfeld Im Hinblick auf die aktuellen bundespolitischen Diskussionen über Sicherheitsfragen und das Erstarken der Rechtspopulisten würde ich mir von allen Beteiligten wünschen: Hinsetzen, nachdenken, Lösung präsentieren. Alle demokratischen Parteien sollten gerade im Wahljahr Verantwortungsbewusstsein zeigen und nicht denen Munition liefern, die an den Säulen unseres Staates rütteln. Zusammenhalt ist das Gebot der Stunde - nicht nutzloser Zwist.

CARINA WERNIG FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(NGZ)