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Dormagen: Zu wenige Gohrer für Pumpen-Lösung

Dormagen : Zu wenige Gohrer für Pumpen-Lösung

Am 31. Dezember läuft die Frist ab, in der mindestens 150 Gohrer den Vertrag unterschrieben haben müssen, damit das "Kappungsmodell" das Grundwasser-Problem löst. Aber diese Zahl ist bislang noch nicht erreicht worden.

Arno Neukirchen beschönigt die Situation nicht: "Schön ist es nicht", sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative Arche Gohr, "wir stecken in einer sehr schwierigen Situation. Es ist offenbar nicht leicht, den Leuten das Kappungsmodell verständlich zu erklären." Etwas mehr als die Hälfte der notwendigen Beteiligungsverträge sind erst abgeschlossen worden. Was passiert, wenn sich bis Jahresende keine 150 Gohrer am Kappungsmodell beteiligen? "Dann werden wir die Arche Gohr auflösen und jeder ist auf sich alleine gestellt", sagt Neukirchen.

Darum geht es: Im Streit um eine Lösung der Grundwasser-Problematik für das Gohrer Unterdorf liegt seit Mitte Mai eine Lösung auf dem Tisch, die von Bürgermeister Peter-Olaf Hofffmann und von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke präsentiert worden war. Danach sollen sich die Betroffenen — die Rede ist von 250 Grundstückseigentümern — finanziell an einem "Kappungsmodell" beteiligen, das für eine Absenkung des Grundwasserspiegels sorgt.

Voraussetzung ist, dass sich mindestens 150 Bürger beteiligen. Sie müssten für die technische Investition und einen zehnjährigen Betrieb 8240 Euro bezahlen. Beteiligen sich alle vom Grundwasser Betroffenen, so sinkt dieser Beitrag auf knapp unter 5000 Euro.

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Hoffmann hatte im Frühjahr im Gohrer Landgasthaus von der "Notgemeinschaft der Betroffenen" gesprochen und mit Vehemenz "an Ihre Solidarität" appelliert. Landrat Petrauschke versprach, dass sich der Kreis mit 100 000 Euro an den Investitionskosten beteiligt, die Stadt wird das Modell mit 200 000 Euro unterstützen. Die Gohrer kennen die Ausgangslage: Die Bebauung im Unterdorf war nur möglich, weil der hohe Grundwasserspiegel durch den Braunkohletagebau abgesenkt wurde. Durch die Wanderung des Tagebaus Garzweiler nach Westen nimmt dieser Einfluss ab, der durchschnittliche Grundwasserspiegel wird steigen. Vor allem nach dem Ende, mit dem 2045 gerechnet wird.

"Das Grundwasser kommt", sagte Bernd Bucher vom Erftverband damals in der Bürgerversammlung, "wann genau, das wissen wir noch nicht." Für 70 Gohrer werde es durch die Pumpen "positive Effekte" geben, so Bucher, "seltener und weniger Grundwasser. Aber sie werden keinen Rundum-Schutz bekommen". Weil die Zahl der Verträge noch nicht ausreicht, hatte Bürgermeister Hoffmann zwischenzeitlich in einem Schreiben erneut um Beteiligung gebeten. Ferner wurde eine weitere Besuchsrunde durch die Motivationsteams der Bürgerinitiative veranlasst und eine Bürgersprechstunde mit dem Leiter der Arbeitsgruppe Grundwasser, Ex-Bürgermeister Reinhard Hauschild, angeboten.

Noch ohne durchgreifenden Erfolg. Kommt die notwendige Zahl an Verträgen nicht zustande, wäre dies für Neukirchen nicht nur die schlechteste Lösung, "es wäre gar keine Lösung". Dann müsste sich jeder bedrohte Hausbesitzer selbst darum kümmern, dass sein Eigentum geschützt wird. "Nachträgliche Hausabdichtungen gehen in die hunderttausende Euro."

(NGZ)