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Dormagen: Zons: Stadtbild nicht zerstören

Dormagen : Zons: Stadtbild nicht zerstören

Die Zollfeste Zons als Ganzes zu bewahren – dafür setzen sich Denkmalschützer ein. Ihre Forderung an die Stadt Dormagen: Zons komplett zum Denkmalbereich zu erklären. Hauseigentümer sollten auf das Gesamtbild achten.

Die Zollfeste Zons als Ganzes zu bewahren — dafür setzen sich Denkmalschützer ein. Ihre Forderung an die Stadt Dormagen: Zons komplett zum Denkmalbereich zu erklären. Hauseigentümer sollten auf das Gesamtbild achten.

Es ist offensichtlich: Bis zu vier Satellitenschüsseln auf engstem Raum, schrille Hausfarben und hochmoderne Türen passen nicht zum mittelalterlichen Ambiente in Zons. "Diese vielen Details machen irgendwann auch ein so zauberhaftes Erscheinungsbild wie in Zons kaputt", warnt Hauptkonservator Ludger J. Sutthoff, Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Er fordert die Stadt Dormagen und die Zonser Hauseigentümer auf, das stimmige Gesamtbild zu bewahren: "Es ist wichtig für das ganze Rheinland, dass Zons besser geschützt wird, sonst ist es zu spät!"

Für den Hauptkonservator ist in Zons vieles richtig, aber auch einiges falsch gemacht worden. "Uns geht es nicht darum, Hausbesitzern das Leben mit Vorschriften schwer zu machen und unzumutbare Forderungen durchzusetzen, sondern darum, die Baudenkmäler in Zons gemeinsam mit ihnen in Schönheit zu erhalten", so Ludger Sutthoff. Beim Rundgang durch die Zollfeste zeigt er einige Beispiele. Gebäude Neue Gebäude sollten sich in die Umgebung einpassen, dazugehört die Bauweise, die Fassadengestaltung und auch die Garage, wie Sutthoff betont: "Natürlich ist es schwierig, in Zons zu parken, aber zu große Garagen und Garagentore beeinträchtigen den historischen Charme." Farben Historische Farbgebungen der Fassaden sollten möglichst originalgetreu nachempfunden werden.

"Knalliges Gelb ist sicher nicht in historischer Farbpalette zu finden, eher gedeckte Erdfarben", erläutert der Hauptkonservator. Auch sollte die Farbe des Sockels nicht heller sein als die des Gebäudes. Fenster/Türen Der Grundsatz "So viel Historisches wie möglich" sei optimal. Die Tür sei die Visitenkarte jedes Hauses — ein schönes Beispiel sei die alte Tür des Pfarrhauses von St. Martinus, so Sutthoff: "Hier ist das Historische gut bewahrt worden."

Kunststofffenster seien zu vermeiden. Allerdings müsse niemand unter alten, zugigen Fenstern leiden — da biete sich ein zusätzliches Innenfenster an. "Wir wollen den Bewohnern helfen, sich in ihrem Denkmal wohl zu fühlen", weist Sutthoff darauf hin, dass die vom Amt für Denkmalpflege genehmigte Arbeiten an Fassaden und Fenstern steuerlich in voller Höhe auf acht Jahre absetzbar sind. Hausschmuck Da gibt es viele Varianten, zum Beispiel bei den Hausnummern: "Was auf Teneriffa gut aussieht, passt leider nicht nach Zons", weist Sutthoff auf bunte Keramik-Zahlen hin.

Auch beleuchtete oder Digital-Weckern nachempfundene Hausnummern entlocken ihm leichtes Kopfschütteln: "Da wären Emaille-Schilder besser." Das gleiche gilt für Briefkästen: "Was für einzelne geschmackvoll und schön ist, muss noch lange nicht nach Zons passen." Da sind Kompromisse gefragt, ebenso bei den Satellitenanlagen, die das Gesamtbild stören. "Ich habe mehr als 100 unangemessen angebrachte Satellitenschüsseln in Zons gezählt", so Sutthoff.

Nachdem er am 5. Juli engagiert über die Denkmalpflege in Zons im Kulturausschuss gesprochen hatte, appellierte Sutthoff an die Stadt, das 1999 vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland verfasste Gutachten auch umzusetzen. "Darin wird empfohlen, die Zollfeste Zons insgesamt zum Denkmalbereich zu erklären", erklärt Sutthoff. "Dann hätten alle Hausbesitzer mit einer Gestaltungssatzung gerechte Regeln, so dass der historische Charakter bewahrt werden könnte." Er weist darauf hin, dass Kommunen gesetzlich dazu verpflichtet seien, das LVR-Denkmal-Gutachten anzuwenden. Bisher ist dies nicht geschehen. "Der Kulturausschuss hat im Februar 2010 die Denkmalbereichssatzung wegen der Sorgen der Anwohner abgelehnt", sagt Stadtsprecher Harald Schlimgen.

(NGZ)