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Zons: Kohlhaas-Aufführung im Kreismuseum

Theater im Kreismuseum Zons : Ein Kohlhaas voller Emotionalität

Michael Meichßner erhielt für seine Solo-Darbietung in Zons viel Applaus.

Der gute Draht, den Joachim Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons, zum Rheinischen Landestheater (RLT) Neuss pflegt, sorgt gelegentlich für spektakuläre Veranstaltungen im Kreismuseum. Jetzt war bei einem Theaterabend im Gewölbekeller Michael Meichßner (39) mit seinem Solostück „Michael Kohlhaas“ zu erleben. Seit 2014 arbeitet der Bonner als freier Schauspieler, auch in vielen Rollen bei der ARD und dem ZDF, und ist dem Neusser RLT als Gast verbunden, so auch noch beim diesjährigen Shakespeare-Festival („Othello“). Für die emotionsgeladene Erzählung „Michael Kohlhaas“ in der nahezu vollkommen übernommenen Sprache des Heinrich von Kleist (Regie: Stefan Herrmann) hat Michael Meichßner im vergangenen Jahr den „Monica Bleibtreu-Preis“ erhalten.

In einer vom Eurotheater Bonn zur Verfügung gestellten kleinen Pferdebox erzählt Michael Kohlhaas seine Geschichte: Der unbescholtene Pferdehändler aus Kohlhaasenbrück an der Havel (heute Ortsteil von Berlin) – ganz in der Nähe liegt das Grab des 1811 gestorbenen Heinrich von Kleist – wird auf einer Reise nach Sachsen durch die Willkür des Junkers Wenzel von Tronka übel benachteiligt. Der Pferdehändler, für den die Gerechtigkeit höchstes Gut ist, wird nach einer erfolglosen Klage beim Kurfürsten von Sachsen und dem Tode seiner Ehefrau zum Rächer, Mörder und Plünderer. Seine Devise, die auf Papst Hadrian VI. (1459 – 1523) zurückgeht: „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“

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Selbst ein Disput mit Martin Luther, der ihm vorwirft, „Das Schwert, das du führst, ist das Schwert des Raubes und der Mordlust, ein Rebell bist du und kein Krieger der Gerechtigkeit“, bringt ihn nicht von seinem Vorhaben ab. Er überlegt sogar, Wittenberg und Leipzig anzuzünden. Am Ende stirbt Michael Kohlhaas durch das Schwert, was er selbst als gerecht empfindet. Michael Meichßner machte diese Geschichte in einem faszinierenden Solo zum mitfühlbaren Erlebnis. Jede Geste, jeder Blick saß genau, der dramatische Höhepunkt „Wo ist der Junker Wenzel von Tronka?“ musste unter die Haut gehen. Lange Sprechpausen erhöhten die Spannung ungemein. Der Gewölbekeller, den auch der Schauspieler „ganz wunderbar für diese Aufführung“ fand, tat ein Übriges zu der Anspannung dazu. Es blieb eine gefühlte Minute mucksmäuschenstill, bevor lang anhaltender Applaus den Protagonisten für seine enorme Leistung belohnte.