Zons: Ferré Chanson-Abend mit melancholischen Zwischentönen

Ferré Chansons in Zons : Chanson-Abend mit melancholischen Zwischentönen

Joachim Fischer, stellvertretender Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons, hatte sich zuvor vergewissert, dass das Programm absolut jugendfrei ist, und so konnte der Chanson-Abend „Liebe und Anarchie – eine Hommage an Léo Ferré“ im Gewölbekeller des Kreismuseums Zons bei gutem Besuch auch stattfinden.

Der in Frankreich sehr bekannte Chansonnier Léo Ferré (1916-1993) hat als Dichter, Komponist und Sänger ein umfangreiches Werk hinterlassen, das in Zeiten des aufkeimenden Nationalismus in Europa überwältigend aktuell ist. „Seine Poesie verträgt keine Geschichten, keine Anekdoten. Er schleudert seine Verse wie Brandsätze ins Publikum“, sagt Rainer Scharenberg (52). Der Schauspieler, seit 2009 Ensemblemitglied im Rheinischen Landestheater Neuss, hatte den Abend in Eigenregie konzipiert und war als Sänger und Moderator ein absoluter Pluspunkt.

Mit Wolfgang Proppe (50) und Henning Nierstenhöfer (54) hatte er zwei kongeniale Musiker mitgebracht, die ihre Instrumente vom Keyboard über Akkordeon, Tenorhorn, Posaune, Ukulele und Drums perfekt beherrschten. Der Komponist und Schauspieler Henning Nierstenhöfer ist schon häufig als Bühnenmusiker aufgetreten. Er und Proppe kennen sich auch von der Zusammenarbeit in der Band „Erdmöbel“. Scharenberg singt die Chansons in exzellenten Übersetzungen, die Arrangements für wenige Instrumente sind bei seinen perfekten Mitstreitern in besten Händen. Léo Ferré hat meist für großes Sinfonieorchester komponiert. Typisch für ihn ist, dass auch radikale Lieder melancholische Zwischentöne haben. Aber auch „La Marseillaise“, die französische Nationalhymne, ist der Anarchie nicht heilig, gleichwohl formuliert sie leise: „Lass doch mal sehn, wie weit meine Kräfte gehen“. Geradezu gewalttätig ist „Thank you, Satan“ aus der LP „Amour Anarchie“. Zwei der bekanntesten Chansons „Paname“ und Ferrés größter Erfolg „C’est extra“ trägt Rainer Scharenberg auf französisch vor. Unter den Zuhörern war die Französin Nadine Bettin, ein großer Ferré-Fan: „Der Abend war großartig, und auch die Übersetzungen sind sehr authentisch.“

(nima)
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