Zauneidechse stört A 57-Anschluss Delrath

Sorge um Artenschutz : Zauneidechse stört A 57-Anschluss

Ganz reibungslos wird ein Bau der geplanten A 57-Anschlussstelle Delrath nicht gelingen. Denn dort leben Brutvögel und stark gefährdete Zauneidechsen. Letztere müssen umgesiedelt werden.

Ob der Autobahnanschluss Delrath jemals gebaut werden wird, ist derzeit offen. Die Notwendigkeit besteht, das wurde in Verkehrsgutachten nachgewiesen. Doch ob der verkehrliche Bedarf mit Blick auf den an einer geplanten Trasse liegenden Gashersteller GHC Vorrang vor Sicherheitsbedenken hat, ist ungewiss. Sollte die Bezirksregierung dem Bauwunsch des Rhein-Kreises Neuss folgen, ist damit nicht die letzte Hürde vom Tisch. Denn weil schützenswerte Tiere im Bereich der Trassen leben, besteht Handlungsbedarf. Konkret: Unter anderem ist die Umsiedlung der Zauneidechse notwendig und diese muss auch nachgewiesen werden.

Zur Liste der Unterlagen, die für ein solches Großprojekt der Genehmigungsbehörde vorgelegt werden müssen, gehört auch eine artenschutzrechtliche Prüfung. Umso mehr als es Hinweise auf Tierarten im Planungsgebiet gibt, die berücksichtigt werden müssen. Nach Angaben des Rhein-Kreises sind die Kartierungen zu den Brutvogelvorkommen abgeschlossen, die zu Fledermäusen und Zauneidechsen noch nicht. Nach Angaben von Pressesprecher Benjamin Josephs sind die Untersuchungen vor Ort „bis Ende September gelaufen. Jetzt erfolgt die Auswertung“. Vertretern der Städte Dormagen und Neuss sollen am 30. Oktober die Ergebnisse vorgestellt werden. Klar ist aber schon jetzt: Die bisherigen Kartierungen erbrachten den Nachweis von zahlreichen Revieren von für die Planung relevanten Vogelarten sowie von Arten der Vorwarnliste der Roten Liste NRW. Dort gilt die Zauneidechse als „stark gefährdet“. Das bedeutet schon jetzt, dass aufgrund der schon bekannten Vorkommen abzusehen ist, dass „ein erheblicher Flächenbedarf für die artenschutzrechtlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“ entstehen wird, heißt es von Seiten des Rhein-Kreises. So ist unter anderem die Umsiedlung der Zauneidechse notwendig. Sie ist entlang des Trassenkorridors für die Verbindungsstraße auf der östlichen Seite der A 57 hin zur geplanten Anschlussstelle an gleich drei Standorten identifiziert worden. Geeignete Umsiedlungsflächen müssen im unmittelbaren Umfeld dieser Tiere gefunden werden. Zudem gibt es eine weitere wichtige Bedingung: Die erfolgreiche Umsiedlung muss vor Baubeginn der Bezirksregierung über ein Monitoring nachgewiesen werden. Für die schützenswerten Brutvogelarten wie Kiebiz, Rebhuhn oder Feldlerche, für die 33 Brutreviere in der vorgesehenen Fläche ausgemacht wurden, werden Ausgleichsflächen bestimmt.

Angesichts dieser artenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen kommt die neue Entwicklung im Planungsbereich gerade recht. Denn entgegen der ursprünglichen Festlegung soll die Trasse auf der westlichen Seite der A 57 (aus Richtung Neuss-Allerheiligen) viel näher an die Autobahn gelegt werden. Damit würde dem Schutz von Brutvögeln stärker Rechnung getragen. Diese Forderung nach einer sogenannten Trassenbündelung ist zuletzt durch die Vorkommen an Brutvögeln noch verstärkt worden. Laut Rhein-Kreis hatte die durch die Stadt Dormagen bestimmte Straßenführung „seinerzeit keine Artenschutzprüfung vorgesehen“. Die Kreis-SPD hatte in der Sitzung des Nahverkehrs- und Straßenbauausschusses den Antrag auf eben diese Trassenbündelung bzw. Parallelführung gestellt, ihn jedoch letztlich nicht zur Abstimmung gestellt. „Unser Antrag hat letztlich die Position des Rhein-Kreises wiedergegeben“, erklärte Kreistagsmitglied Doris Wissemann.

Nach Angaben der Kreisverwaltung liegt die Behörde bei der Beibringung der sonstigen notwendigen Unterlagen gut im Rennen. So ist der Schlussbericht zum Verkehrsgutachten allen beteiligten Stellen bereits zugegangen. Das beauftragte Rechtsgutachten sowie die ergänzende Stellungnahme, bei der die sozioökonomischen Belange und das prognostizierte Verkehrsaufkommen des Verkehrsgutachtens auf das Jahr 2030 bezogen berücksichtigt wurden, liegen seit Ende August vor. Die überarbeiteten und aktualisierten Planfeststellungsunterlagen sind inzwischen vergeben worden.  Im Rahmen dieser Arbeiten wurde festgestellt, dass vier weitere Knotenpunkte in das Verfahren aufgenommen werden müssen.

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