Zahl der Schulverweigerer in Dormagen gestiegen

Bildung in Dormagen : Zahl der Schulverweigerer gestiegen

Weitaus höher als bislang angenommen ist die Zahl der Kinder in Dormagen, die regelmäßig nicht zur Schule gehen. Das Jugendamt setzt auf eine noch nähere Kooperation mit Eltern und Schule.

Deutlich größer als bislang angenommen ist die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig nicht zur Schule gehen und somit unter die Überschrift „Schulverweigerer“ fallen. Nach Aussage des städtischen Jugendamtes beträgt ihre Zahl 62, davon sind vier Grundschüler. Betroffen sind meist 12- bis 16-Jährige. Bis dato war man in Dormagen davon ausgegangen, dass es deutlich weniger sind, weil in einer älteren Studie des Rhein-Kreises von viel geringeren Zahl ausgegangen worden war (unter 20). Ob es eine Dunkelziffer gibt, ist unklar. Die Schulpolitik hat jetzt die Verwaltung beauftragt, genaueres Zahlenmaterial an den Schulen zu ermitteln.

Es ist eine fremde, schwierige Welt, über die Ina Oberlack vor Schulpolitikern sprach. Die Fachfrau im Rathaus für das Thema Schulverweigerung berichtete wie schwierig es ist, ins Gespräch zu kommen und vor allem dauerhaft tragfähige Lösungen zu erreichen. Das bedeutet, dass minderjährige Kinder wieder ganz normal am Schulunterricht teilnehmen. Oberlack nennt das Beispiel eines Elfjährigen. Der hat nach einem Schulwechsel Probleme, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen. „Er ist körperlich auffallend, adipös, und wird bald von Klassenkameraden gemobbt“, erzählt sie. Die Folge: Eines Tages erscheint er nicht mehr zum Unterricht. Durch die Schule informiert, wird das Jugendamt aktiv. „Wir versuchen herauszubekommen, wo Unterstützungsbedarf in der Familie besteht. Wie die Lösung aussehen kann.“ Ein Klassenkamerad bietet dem Jungen an, ihn morgens mitzunehmen. „Das klappt zwei, drei Mal, dann nicht mehr“, so Oberlack.“ Die Familiensituation ist schwierig, die Mutter überfordert. Es wird eine ambulante Hilfe eingesetzt, es gibt Beratungen in der Familie, „so soll der Vater sich mehr in die Erziehung einbringen“. Nach einigen Wochen gelingen schrittweise Verbesserungen, es gelingt, den Jungen wieder in die Klasse zu integrieren. Ob es dauerhaft funktioniert, wissen auch die Experten im Rathaus nicht. Immerhin: „Die Familiensituation hat sich verändert, der Zusammenhalt ist gewachsen“, sagt Oberlack.

Die Problemlagen bei Schulverweigerungen sind mannigfaltig. „Manchmal liegen schwere Traumatisierungen bei den Kindern vor, zum Beispiel durch Missbrauch.“ Auch Überforderung bei der Erziehung oder Alkoholprobleme bei Eltern sind ebenfalls Gründe, warum Kindern nicht mehr zur Schule gehen, oder Mobbing und Überforderung im Unterricht. „Wir müssen herausfinden, was das Kernprobleme ist“, sagt Ina Oberlack. Das Jugendamt sucht dann das Gespräch mit Eltern, Geschwistern, Schule.

Auf Nachfrage der schulpolitischen Sprecherin der CDU, Carola Westerheide, bestätigte Oberlack, dass mitunter Kinder auch ärztliche Atteste vorlegen, um nicht zur Schule gehen zu müssen, die „zweifelhaft“ seien, wie Westerheide annimmt. Oberlack: „Ja, so etwas gibt es wohl.“

 Da der Begriff des „Schulverweigerers“ sehr weit gefasst ist, wird die Verwaltung eine einheitliche Definition in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Grundlagen im Arbeitskreis Schulentwicklung erarbeiten.