Dormagen: Wuppermetall: Bürger in Angst

Dormagen : Wuppermetall: Bürger in Angst

Seit Mittwoch produziert der Aluminiumbetrieb Wuppermetall (heute WMV) wieder. Die Anwohner fürchten, dass es wieder zu Unfällen kommt. Dem Maßnahmenpaket der Bezirksregierung trauen sie nicht. Ein Ortstermin.

Um Punkt 6 Uhr sind die Hallen an der Robert-Bosch-Straße hell erleuchtet. Zum ersten Mal seit Monaten wird beim Aluminiumverarbeiter Wuppermetall (heute WMV) wieder produziert. Ängstlich warten Marc und Burkhard Felsberg, Irmtraud Bongartz, Angelika Hellingrath, Margot Diebig und andere Anwohner auf das dumpfe Grollen, die Vibrationen, auf den silbernen Aluminiumstaub, der als metallene Wolke durch die Luft wirbelt und sich überall festsetzt. Doch es bleibt ruhig.

Ein heller Feuerball

Dass die Firma Wuppermetall, auf dessen Gelände im Februar 2009 eine Maschine in einem hellen Feuerball explodierte, wieder in Betrieb gehen darf, können sie dennoch nicht verstehen. "Wir werden ab jetzt genau beobachten, wie der Betrieb arbeitet", sagt Marc Felsberg. An der Bahnstraße haben sich die Anwohner versammelt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Luftaufnahmen des Areals liegen ausgebreitet auf dem Tisch, Burkhard Felsberg hat kleine Gläschen mit Aluminiumstaub und -splittern aus dem Schrank geholt, die Stimmung ist erhitzt.

Im Fokus der Diskussion steht die Bezirksregierung Düsseldorf, die die Wiederaufnahme des Betriebs genehmigt hat — unter Bedingungen, die sperrig klingen: Der Potentialausgleich müsse sichergestellt werden, die Anlagen messtechnisch überprüft werden, zündquellenfreie Staubsauger und Inspektionen seien vorgeschrieben. Der Anwalt, den die Anwohner beauftragt habe, hat bereits Akteneinsicht beantragt. "Wir vertrauen dem zuständigen Dezernat der Bezirksregierung nicht", sagt Marc Feldberg. Die Behörde — damals noch das Staatliche Umweltamt Krefeld — hatte auch 2006 den Betrieb genehmigt. Das Jahr, an dem die Probleme der Bürger anfingen. Marc Felsberg zieht wütend an seiner Zigarette: "Ab dem Frühjahr 2006", sagt Felsberg, "wurde es unerträglich." Er hat alle Zwischenfälle chronologisch aufgezeichnet. Es ist eine lange Liste.

Auch vor dem Verwaltungsgericht streiten die Bürger gegen die Bezirksregierung. Ende Oktober soll es einen Mediationstermin geben, um die Streitigkeiten beizulegen. Die Situation ist verworren: Am Anfang war das Umweltamt zuständig, dann der Rhein-Kreis Neuss, später wieder die Bezirksregierung. Sie hat nun beschlossen, dass zunächst die Trenntechnik in Betrieb gehen darf, später könnte die Zerkleinerungstechnik hinzukommen. Die Anlagen, die das Aluminium zu feinem Granulat zermahlen, bleiben ausgeschaltet.

Doch reicht das? Die Bürger meinen nein. Marc Felsberg sagt: "Wir haben Angst, dass sukzessive die alten Zustände wieder zurückkehren." Und das wäre, so ist es in den ratlosen Gesichtern der Anwohner abzulesen, unerträglich.

(NGZ)
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