Serie Rätsel Der Stadt (1): Wozu diente der Myriameterstein?

Serie Rätsel Der Stadt (1): Wozu diente der Myriameterstein?

Die erste Folge unserer neuen Reihe führt uns auf den Leinpfad am Rhein.

ZONS Vor 150 Jahren gab es noch keine Smartphones mit GPS-Funktion. Um die Navigation der Kapitäne zu erleichtern, beschloss im Jahre 1864 die "Central-Commission für die Rhein-Schifffahrt" in Amsterdam, dass der Fluss zum ersten Mal vermessen werden sollte. Der Anfang war in Basel und das Ende die Mündung des Rheins in die Nordsee. Drei Jahre später stellte man Steine auf, die die Ergebnisse der Messung darstellen sollten.

Diese Vermarkungssteine nennt man Myriametersteine. Das griechische Wort "myrias" bedeutet zehntausend. Die Vermessungsmarken standen also alle zehntausend Meter auf beiden Seiten des Rheins. Die Sandsteine wurden auf allen vier Seiten beschriftet. Die Wasserseite enthielt die Nummer des Steins in römischen Ziffern und darunter die Höhe des Steins über dem Amsterdamer Pegel. Auf der Landseite standen die Entfernungen nach Rotterdam und Basel. Links und rechts konnte man die Weglängen zu den nächsten Landesgrenzen ablesen.

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Viele dieser steinernen Zeitzeugen der Rheinschifffahrt wurden über die Jahre wieder entfernt. Aber es gibt heute immerhin noch mehr als 70 der historischen Myriametersteine zwischen der Schweiz und den Niederlanden.

Wenn man auf dem Leinpfad von Zons nach Rheinfeld geht, stößt man nach rund zweihundert Metern auf einen Myriameterstein. Das Pendant auf der rechten Rheinseite befindet sich in Baumberg, einem Stadtteil von Monheim. Auf einem offiziellen Denkmal-Schild neben dem Zonser Exemplar steht, dass der Zehnkilometer-Vermessungsstein vor 1906 am Rheinufer aufgestellt wurde. Der Originalstein hat eine Breite und Tiefe von rund 50 Zentimetern. Die Höhe beträgt etwa 65 Zentimeter. Auf der Wasserseite muss einmal LV gestanden haben, die römischen Ziffern für die Nummer 55. Die Oberflächen sind mittlerweile verwittert und mit Flechten überwachsen. Die Beschriftungen sind nicht mehr lesbar. Auf einem neuen Sockel sind auf der Landseite zwei Angaben eingraviert worden, die besagen, dass es von hier aus nach Rotterdam 274,450 Kilometer sind und nach Basel 550 Kilometer.

(NGZ)