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Dormagen: Wohnen in guter Nachbarschaft

Dormagen : Wohnen in guter Nachbarschaft

Das Thema "Nachbarschaftliches Wohnen" ist jetzt auch in Dormagen angekommen. Erste Interessenten für alternative Wohnmodelle gibt es bereits. Am Montag findet eine Infoveranstaltung in der Stadtbibliothek statt.

Gute Nachbarn, die mal auf die Kinder aufpassen oder während des Urlaubs die Blumen gießen, sind Gold wert. Unter guter Nachbarschaft kann man aber auch sehr viel mehr verstehen als gelegentliche Unterstützung und Grußworte im Hausflur. Wie Ria und Hans Schürmann, die in Stürzelberg seit 1992 ein schmuckes Reihenhaus bewohnen. Die drei Kinder sind aus dem Haus. Obwohl die beiden erst 55 beziehungsweise 56 Jahre alt sind, denken sie schon jetzt intensiv übers Wohnen und Leben im Alter nach. Sie rechnen mit einem Zeithorizont von zehn Jahren, ehe ihr Traum Wirklichkeit werden könnte. Denn die Schürmanns wollen nicht einfach nur ein neues, altersgerechtes Haus bauen oder eine Wohnung mieten. Sie wollen nicht einfach neben neuen Nachbarn wohnen. Sie wollen mit ihnen leben.

"Es geht darum, sich gegenseitig zu unterstützen, gemeinsam Aufgaben zu übernehmen und Interessen zu verfolgen", erklärt Hans Schürmann. "Man muss auch im Alter etwas zu tun haben, etwas Neues beginnen." Schürmanns können sich vorstellen, sich um Tiere zu kümmern — "ein Bauernhof wäre unser Traum", sagt Ria Schürmann. Auch ein Fabrikgebäude oder eine Werkstatt wären denkbar. Oder ein Neubau. Alles, was Platz bietet, um mehrere Wohneinheiten einzurichten, dazu Gemeinschaftsräume wie eine Werkstatt oder Gästewohnung. Bei der Idee, mit anderen zu bauen, steht nicht die Kostenersparnis im Vordergrund. "Uns lockt die Aussicht nach mehr sozialer Nähe", sagt Hans Schürmann. Dabei denkt er nicht an die eigenen Kinder. "Zur Familie braucht man Abstand", sagt Ria Schürmann, "sonst werden sofort alte Rollenmuster aktiv." Ein typisches "Mehrgenerationenwohnhaus" aber schwebt Schürmanns nicht vor, wenngleich sie sich auch Kinderlärm in der Nachbarschaft wünschen.

Die Idee der Stürzelberger lässt sich unter dem Begriff "Nachbarschaftliches Wohnen" fassen. "Die Abgrenzung zu Begriffen wie Mehrgenerationenwohnhaus oder zu integrativen Wohngemeinschaften sind schwierig", sagt Sabine Matzke von der WohnBund-Beratung NRW. Sie begleitet Gruppen von der Planung über die Grundstücks- oder Investorensuche bis hin zum Einzug. "Es gibt schon viele Projekte in Nordrhein-Westfalen", weiß sie. Ein Beispiel ist die Ledo-Initiative in Köln-Niehl. Hier haben eine Gruppe von Senioren und eine MS-Selbsthilfegruppe einen Investor gefunden, mit dem sie ihre Idee von nachbarschaftlichem Wohnen realisieren konnte. Seit 2009 wohnen dort junge Familien gemeinsam mit Singles, Älteren und Behinderten.

(NGZ)