Wohnen in Dormagen: Stadt bekommt erstes „Boardinghaus“

Wohnen in Dormagen : Stadt bekommt erstes „Boardinghaus“

Um Firmenmitarbeitern, die sich nur zeitlich begrenzt in Dormagen aufhalten, eine Alternative zu Hotel oder (teuren) möblierten Zimmern zu bieten, baut ein Investor ein hotelähnliches Boardinghaus an der Knechtstedener Straße.

Wohnraum ist knapp in Dormagen, es fehlen Wohnungen in vielen Segmenten. Darunter auch für die, die Eigentum suchen. In zentraler Lage wird im Sommer Baubeginn für ein spannendes Vorhaben sein, dass die Bestwerk GmbH mit Sitz in Köln verwirklichen wird: den Bau von drei modernen Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 18 Einheiten als Eigentumswohnungen. Spannend wird das Projekt jedoch erst durch das so genannte Boardinghaus, das zu diesem Ensemble gehören wird. Dabei geht es um einen weiteren Gebäudeteil mit zwölf Apartments, die hotelähnlich angelegt werden und für Firmen interessant sein sollen, die zeitlich begrenzt Unterkünfte für Mitarbeiter suchen. Baubeginn soll im Sommer, die Fertigstellung anderthalb Jahre später sein. Bauherr Bestwerk geht von einem Verkaufserlös von insgesamt 6,65 Millionen Euro aus.

Mit-Initiatorin dieser Form des Wohnens war die Stadt. Sie hatte der Kölner Firma zur Auflage gemacht, an dieser Stelle auch Gewerbe zu schaffen. „Wir haben dann nicht lange überlegt, sondern die Möglichkeit gesehen, dort ein Boardinghaus zu bauen“, sagt Rüyan Celik von Bestwerk. „Das hat natürlich auch wirtschaftliche Gründe.“ Bestwerk sieht den Markt für ein solches Projekt, hat ein Boardinghaus bereits in der Türkei erfolgreich umgesetzt. Das Haus soll schlüsselfertig an einen Investor verkauft werden, der das Objekt bewirtschaften soll und über Interieur oder Service bestimmen kann. „Wir haben bereits Anfragen dazu“, so Celik, „das Interesse ist vorhanden.“ Die zwölf Wohnungen werden Größen zwischen knapp 34 und knapp 63 Quadratmetern haben. Bestwerk erwartet, hier einen Verkaufspreis von 1,764 Millionen Euro erzielen zu können.

Die Projektleiter im Chempark kennen das Thema: „Von den rund 9700 Beschäftigen im Chempark Dormagen entfallen etwa 3200 auf Dienstleister, die nicht fest im Chempark ansässig sind. Der ganz überwiegende Teil davon kommt aber aus der Region“, sagt Chemparl-Sprecher Mauritz Faenger-Montag. „Fachfirmen von weiter weg, die für ein bestimmtes Projekt Mitarbeiter nach Dormagen entsenden – zum Beispiel bei einer Anlagenrevision –, sind sehr routiniert in der Reisetätigkeit ihres Personals und kennen den Beherbergungsmarkt sehr gut. Deshalb besteht für Currenta als Chempark-Betreiber keine Notwendigkeit, hier eine Vermittlerrolle aufzubauen.“

Boardinghouses sind im Trend. Fachleute sehen eine steigende Nachfrage, vor allem in den Großstädten. Schätzungen zu Folge soll es in Deutschland zwischen 15.000 und 25.000 solcher Apartments geben. Der Service, den die Mieter buchen können, ist dabei sehr unterschiedlich und reicht von sehr gering bis hotelmäßig. Dadurch, dass in den Apartments auch eine voll ausgestattete Küche vorhanden ist, entsteht das Gefühl einer eigenen Wohnung. Angelegt sind die Boardinghouses auf eine Buchung für eine längere, über Monate reichende Zeit.

Das Gesamtobjekt an der Knechtstedener Straße umfasst neben den 18 und zwölf Wohneinheiten umfassen Gebäuden auch 25 Stellplätze in einer Tiefgarage und vier weiteren Außenstellplätzen. Die Konzeption der Eigentumswohnungen sieht so aus, dass die Wohnflächen zwischen 59 und 99 Quadratmetern liegen. Der Schwerpunkt liegt bei einer Größe von 92/93 Quadratmetern. Die Kaufpreise bewegen sich bei 198.500 Euro für die kleinste und 311.500 Euro für die größte Wohnung. Hinzu kommen 15.000 Euro für einen Kfz-Stellplatz.

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