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Dormagen: Wo "Klüster-Matthes" Spuren hinterließ

Dormagen : Wo "Klüster-Matthes" Spuren hinterließ

Auch mehr als 36 Jahre nach seinem Tod erinnert an Matthias Löfgen noch ein Grabstein, auf dem sein Bollerwagen abgebildet ist.

Sie erinnert sich noch gut an Matthias Löfgen: "Er ist früher mit seinem Bollerwagen durchs Dorf gefahren", sagt die rüstige Nievenheimerin Magdalena Schmitz. "Klüster-Matthes war immer für die Ordensschwestern da, als sie im und nach dem Krieg die Leute zu Hause pflegen und ihre Krankheiten behandelten - er hat die Naturalien zu ihnen befördert. Jeder gab Obst und Gemüse, was er abgeben konnte und legte es in den Wagen", fügt die 86-Jährige hinzu. Der leicht gebeugt gehende Matthias Löfgen ist zwar bereits 1981 gestorben, an ihn erinnert aber noch ein Grabstein auf dem Gelände des heutigen Caritashauses St. Josef an der Conrad-Schlaun-Straße. Ganz in der Nähe seiner Unterkunft, wo "Klüster-Matthes" im St.-Josefsheim gelebt hatte. Ungewöhnlich: Auf dem Grabstein ist auch der Bollerwagen abgebildet, den Matthias Löfgen damals immer gezogen hatte.

Das Foto von "Klüster-Matthes" hängt im Keller des Caritashauses. Foto: Carina Wernig

"Ältere Nievenheimer erinnern sich auch noch gut an Klüster-Matthes", berichtet Magdalena Schmitz, die 1935 als Kind nach Nievenheim kam, den Kindergarten und die Nähschule besuchte. "Das waren schöne Zeiten", sagt die Nievenheimerin, die jeden Tag mit dem Bus unterwegs ist, unter anderem auch zum Grabstein von "Klüster-Matthes": "Er war ein sehr lieber Mensch, der nicht nur den Nonnen, sondern auch anderen geholfen hat", wünscht sie sich mehr Nächstenliebe. "Damals gab es trotz Armut keine so große Unzufriedenheit wie heute", meint die 86-Jährige.

Das Gelände des Caritashauses St. Josef gehörte im 19. Jahrhundert der Familie Franziska und Josef Schmitz, die nach dem tragischen Tod ihres einzigen Sohnes Josef, der vom Blitz erschlagen wurde, das Grundstück ihres Hofes 1879 dem Erzbistum Köln schenkten, damit dort jungen und alten Menschen geholfen werden sollte. Nachdem in den ersten Jahren nach 1904 drei Schwestern der Olpener Franziskanerinnen ambulante Krankenpflege geleistet hatten und eine Kleinkinderbetreuung aufgebaut hatten, übernahm diese Aufgaben knapp 50 Jahre darauf die Katholische Schwesternschaft, die im alten Bauernhaus acht Leute pflegten und rund 60 Kindergartenkinder im Raum neben dem Hoftor betreuten - 1954 wurde der neue Kindergarten eingeweiht. 1962 wurde das Haus St. Josef als erstes Altenpflegeheim in NRW eröffnet, zurzeit leben in zwei Pflegehäusern 127 Bewohner, dazu bieten die Mitarbeiter des Caritashauses Services für 17 Wohneinheiten im Betreuten Wohnen an. "Die Geschichte des Hauses ist sehr spannend", sagt der Leiter, André Dewies. Auch Hauswirtschaftsleiterin Renate Eßer, die seit 26 Jahren im "Josefs" arbeitet, erinnert sich noch gut an "Klüster-Matthes", den sie als Kind oft Zigarre rauchend am Tor stehen sah: "Matthias gehörte einfach dazu, er kaufte auch für die Bewohner ein und brachte ihnen die Sachen mit dem Bollerwagen."

(NGZ)