Delrath: Wo im Dorf eine ruhige Kugel geschoben wird

Delrath: Wo im Dorf eine ruhige Kugel geschoben wird

Das Licht ist gedimmt, obwohl draußen die Sonne scheint, sind die Vorhänge zugezogen. Der Raum an der Johannesstraße 8, der über einen Seiteneingang des Restaurants Zur Schranke zu erreichen ist, wird von stetigem Klackern ausgefüllt. Acht Billardtische stehen in dem Raum.

"Snooker, Pool, Karambolge — wir sind wohl einer der wenigen Billardvereine in NRW, die alle Disziplinen anbieten", sagt Bertwin Heller, Vorsitzender der Billardgemeinschaft Dormagen Delrath. Besonders beliebt ist Snooker. Gegründet hat der 62-Jährige den Verein 2009\. Vorher ist er nach Willich gefahren, um seinem Lieblingsspiel zu frönen. 80 Kilometer seien das gewesen, hin und zurück.

Seit der Gründung ist die Billardgemeinschaft einen guten Schritt vorangekommen: "Wir haben inzwischen 48 Mitglieder", sagt Bertwin Heller. Bei der 65-Mitgliedermarke soll Schluss sein. Die Altersstruktur des Vereins ist sehr gemischt. Das jüngste Mitglied ist 16, das älteste 81 Jahre alt. Der Senior Aloys Engels spielt noch jeden Tag zwei bis drei Stunden.

Wer mitspielen möchte, muss im Monat 40 Euro berappen (Jugendliche 20 Euro), bekommt dafür aber einen Schlüssel und darf so oft die Kugel stoßen, wie er möchte. "24 Stunden, Tag und Nacht", erklärt Bertwin Heller. Im Saal selbst herrscht Rauchverbot.

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Ausgetragen werden in Delrath auch die Offenen Dormagener Stadtmeisterschaften. Eine Poolmannschaft des Vereins ist dem Billard-Verband angeschlossen und hat sich einen Platz im Mittelfeld der Bezirksliga erspielt.

Bertwin Heller (62) verbindet mit dem Raum an der Johannesstraße auch Kindheitserinnerungen. "Hier war früher das Kino untergebracht", sagt der gelernte Kfz-Sachverständige, der den Kauf der teuren Billardtische vorfinanziert hat. 1956 kostete die Eintrittskarte für die Kindervorstellung 40 Cent. "Auf den billigsten Plätzen in den ersten drei Sitzreihen", sagt Bertwin Heller. Für ihn ist Billard mehr als ein Spiel. "Billard ist die hohe Kunst des Vorausdenkens", sagt der 62-Jährige. Es erfordert das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten."

(NGZ)