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Dormagen: Wo Eis noch handgemacht ist

Dormagen : Wo Eis noch handgemacht ist

Borut Drago Potocnik hat sich vor fünf Jahren einen Traum erfüllt: In Stürzelberg eröffnete er die "Eiskultur". Manche Kunden kommen sogar aus dem Ruhrgebiet. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Wenn es mal wieder ein neues Eis gibt, dürfen die Kunden probieren. Natürlich kostenlos. Und das kommt oft vor, denn Borut Drago Potocnik hat schon viele Sorten gemacht. Litschis, selbst gepflückte Haselnüsse und Mangos verarbeitet er - es gibt sogar Wodka-Energy-Eis. "Das mach ich mehr für die jungen Leute", sagt er. Borut Drago Potocnik eröffnete vor fünf Jahren die "Eiskultur" in Stürzelberg.

Damit erfüllte er sich einen lang gehegten Traum. Der 37-Jährige arbeitete vorher bei einem Kölner Kosmetik-Unternehmen. "In der Industrie war ich aber nicht glücklich", sagt er. Als er nach einem Motorradunfall im Krankenhaus lag, wurde die Idee zur eigenen Eisdiele dann konkret. In Stürzelberg meinte er die Marktlücke erkannt zu haben. "Eine Eisdiele fehlte hier einfach", sagt er. Zusammen mit einem Freund, der mittlerweile aus dem Geschäft ausgestiegen ist, renovierte er den ehemaligen Kiosk.

Es kamen zwei Eismaschinen, Stühle und Tische. Potocnik besuchte eine Eisschule und machte ein Eisdiplom, doch seine Rezepturen hat er sich selber beigebracht. "Das Eis ist in den fünf Jahren jeden Tag ein bisschen besser geworden", sagt der 37-Jährige. Mittlerweile hat sich der kleine Laden etabliert. An sonnigen Tagen reicht die Schlange bis vor die Tür.

Die Nachfrage ebbt dann drei Stunden nicht ab - das Unternehmerherz schlägt natürlich höher. Er gebe sogar Stammgäste aus Wuppertal, die die Route ihrer Fahrradtour extra durch Stürzelberg legen, erzählt Potocnik. Was macht er richtig? Es sei das Eis. Keine Aromen, keine Zusatzstoffe, dafür mehr natürliche Früchte. Dem Erfolg ging aber eine harte Zeit voraus: "Ich musste mich im Winter mit Krediten über Wasser halten." Erst jetzt, nach fünf Jahren, beginne die Zeit, dass etwas von dem Geld übrig bleibt. Denn vorher flossen alle Gewinne in die Eisdiele zurück. Potocnik investierte zum Beispiel in eine neue Kaffeemaschine.

"Dafür bekommt man eine kleine Eigentumswohnung", sagt er. Die Eisdiele sei sein "Baby" gewesen, zielstrebig steckte er nicht nur Geld, sondern auch Schweiß herein. Nach dem Verkauf das Eis für den nächsten Tag ansetzen - das ergab teilweise 16 Stunden Arbeit pro Tag, dazu hat Potocnik noch nicht einmal eine Reinigungskraft. Mittlerweile gibt es zwei Aushilfen und auch seine Freundin stehe als "gute Seele" zur Seite. Sie backt den Kuchen, mit dem das Geschäft auch im Winter gut läuft. Wie die Erfolgsgeschichte weiter geht, ist noch nicht klar.

Potocnik hat viel darüber nachgedacht, auf dem nahen Dorfplatz eine Außenterrasse einzurichten. Doch die Organisation und der Service wären zu aufwändig. Irgendwann will er aber expandieren - am liebsten an die Ostsee. Das Meer war schon immer sein Traum.