Wissenschaftler untersuchen den Balgheimer See: Wissenschaft mit Schnorchel und Druckluft

Wissenschaftler untersuchen den Balgheimer See: Wissenschaft mit Schnorchel und Druckluft

Von Chris Stoffels

Von Chris Stoffels

Der Balgheimer See, eines der größten Baggerlöcher im Kreis Neuss, wird wissenschaftlich untersucht. Am Samstag gingen Experten mit Schnorchel und Druckluft unter die Wasseroberfläche des Gewässers zwischen Horrem und Delhoven. In einem Projekt des Hauses der Natur in Knechtsteden wird die Vegetation des Naturschutzgebietes genau erfasst. Schnaubend taucht Dr. Lisa Kempe aus der ruhigen Wasserfläche des Balgheimer Sees. Für etwa zehn Minuten war sie in die Tiefen des Gewässers abgetaucht. Bis zu 20 Meter sind es bis zum Grund. Begonnen haben am Wochenende die Arbeiten in den alten Bereichen des 50 Hektar umfassenden Sees, die erst später ausgekiesten Flächen werden folgen. NGZ-Foto: Hans Jazyk

Wenig später macht sie genaue Angaben über die Ansiedlung von Tausendblatt und diversen Laichkräutern unter Wasser. Dr. Lisa Kemper ist Biologin und Leiterin des Verbandes für aquatische Systemanalysen in Köln, eines Tauchvereins, der sich ganz der Wissenschaft verschrieben hat. Insgesamt 16 Taucher gehen am Samstagnachmittag paarweise in den See, der immer noch ausgekiest wird. Ihre Erkundungen teilen sie Projektleiter Dr. Michael Stevens mit. Der 36-jährige Biologe leitet das Projekt, wertet die Funde und Erkenntnisse - und wacht über den Apfelkuchen, den Mitarbeiter der Biologischen Station für die Unterwasser-Wissenschaftler zur Stärkung bereit gestellt haben.

Die Biologische Station in Knechtsteden hat die Federführung der Untersuchung. Stevens erläutert die Ziele der Untersuchung: "Gerade nährstoffarme Baggerseen können nach dem Ausbau des Rheins und anderer Flüsse bedeutende Ersatz-Lebensräume für die heimische Pflanzen- und Tierwelt sein." Dabei spielen der Balgheimer See und der Martinsee bei Zons eine besondere Rolle: Sie stehen seit dem vergangenen Jahr unter Naturschutz. Stevens: "Diese Naturgebiete aus zweiter Hand sind als Refugien für den Naturschutz unverzichtbar. Das Projekt Balgheimer See hat europäische Dimensionen.

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Stevens: "Als einziger See im Kreis Neuss ist er in das Untersuchungsprogramm im Rahmen der so genannten 'EU-Wasserrahmenrichtlinie' aufgenommen worden und hat daher überregionale, ja europaweite Bedeutung." Mit der zusätzlichen Ausweisung als Naturschutzgebiet "ist jetzt verbindlich vorgesehen, den Lebensraum und den Artenschutz zu sichern". Das Haus der Natur des Kreises in Knechtsteden entwickelt jetzt gemeinsam mit dem Amt für Landschaftsplanung und dem Kreis-Umweltamt sowie dem Düsseldorfer Institut für Vegetationskunde, Ökologie und Raumplanung einen so genannten Pflege- und Entwicklungsplan.

Einige der Grunddaten für diese Erhebung wurden am Wochenende im See von den Spezialisten ertaucht. Die genaue Bestimmung der Unterwasservegetation mit bis zu zehn Arten ist dabei deswegen besonders wichtig, weil sie "nicht nur ein wertvoller Lebensraum für allerlei Wasserinsekten, Keintiere und Amphibien, sondern auch 'Kinderstube' zahlreicher Fischarten ist". Mit dem Verein für aquatische Systemanalysen konnte das Haus der Natur einen weiteren kompetenten Partner für die Untersuchung des Balgheimer Sees gewinnen.

Dr. Lisa Kempe fasst ihre Aufgabe zusammen: "Spezielles Augenmerk legen wir auf die biologischen Parameter. Vor allem die Beurteilung des Zustandes der Lebensräume des Sees nach der Zusammensetzung der Wasserpflanzengesellschaften ist eine Methode, die nur von Tauchern geleistet werden kann, da diese Pflanzen bis in eine Wassertiefe von zehn Metern vordringen können." Die Taucher im Dienste der Wissenschaft sind hoch spezialisiert.

Kempe: "Es handelt sich ausnahmslos um sehr erfahrene und umsichtige Taucherinnen und Taucher, die sowohl umfangreiche Erfahrungen in bezug auf die Tauchgänge in hiesigen Gewässern als auch mit der heimischen Unterwasserflora haben." Die am Wochenende gewonnenen Daten und einzelne Exemplare der Flora des Balgheimner Sees, werden jetzt von Stevens analysiert. Am Ende steht ein genaues Computer-Bild des Balgheimer Sees.

(NGZ)
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