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Dormagen: "Wir wollen Kloster bleiben"

Dormagen : "Wir wollen Kloster bleiben"

Interview Pater Chidi Emezi ist seit vergangenem Jahr Regionaloberer der Spiritaner in Deutschland – und drei Tage die Woche in Knechtsteden damit beschäftigt, die Zukunft des Klosters zu sichern.

Pater Emezi, was kann der Besuch des Papstes in Deutschland bewirken?

Emezi Er wird sicher etwas bewirken. Aber nur langsam und in kleinen Schritten. Ich persönlich fand den Auftritt des Papstes im Bundestag richtig – die Kirche lebt nicht losgelöst von der Gegenwart und kümmert sich nicht nur um spirituelle und religiöse Fragen. Wir sind auch politische und soziale Wesen.

Knechtsteden ist immer noch ein spirituelles Zentrum. Was tun die Spiritaner, damit das so bleibt?

Emezi Vor allem, in dem wir Menschen zu uns einladen und zu den Menschen gehen. Unser Kloster ist kein abgeschlossener Ort.

Was bedeutet Knechtsteden für Sie?

Emezi Es ist das Herz unserer Kongregation in Deutschland – und das muss so bleiben. Wenn das Herz nicht mehr schlägt, stirbt auch der übrige Körper.

Sowohl finanziell als auch personell befindet sich das Kloster in schwieriger Lage. Was macht Sie optimistisch?

Emezi Wir haben Ideen und Nachwuchs. Das ist unser wertvollstes Kapital. Anfang 2012 werden drei junge Brüder aus Afrika hierherkommen und als Pastoralteam in und für Knechtsteden neue Ideen entwickeln.

Brauchen wir Entwicklungshilfe und Glaubens-Import aus der Weltkirche?

Emezi Für mich als Spiritaner ist das kein Import. Wir sind ja eine internationale Kongregation und als Missionare überall präsent – also auch in Deutschland, beispielsweise in Rostock oder Knechtsteden.

Was hat Sie bewogen, Spiritaner zu werden?

Emezi Das einfache Leben und der Wunsch, dorthin gesandt zu werden, wo die Kirche keine Mitarbeiter findet und wo Menschen in Schwierigkeiten sind.

Jetzt sind Sie Entwicklungshelfer ganz anderer Art – als Reginonaloberer der Spiritaner in Deutschland.

Emezi Das ist sicher nicht gerade eine übliche Aufgabe für einen Missionar. Aber ich mache das, weil ich darum gebeten wurde. Ich habe die Verantwortung übernommen, weil ich von meinen deutschen Mitbrüdern hier gebraucht werde.

Wie steht es um die Kloster-Finanzen – der Oktoberfest-Erlös kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Emezi Das stimmt, aber wir sind für jede Unterstützung dankbar. Die ganze Welt laboriert an einer Finanzkrise – uns geht es nicht besser. Wir müssen sparen und neue Einnahmen generieren. Aber wir sind am Leben und werden es bleiben.

Ist die Professionalisierung des Marketings und der Vermietung etwa des Kulturhofs der richtige Weg?

Emezi Ja, aber es ist nur eine kleine Hilfe. Die Erlöse reichen nicht aus, die Klosteranlage zu erhalten und das Leben der Mitbrüder hier sicherzustellen.

Es gibt Stimmen, denen Vermarktung und Ökonomisierung schon zu weit gehen.

Emezi Ja, es gibt Klagen einzelner Mitbrüder, die wir sehr ernst nehmen. Wir sind eben kein Betrieb. Aber als Teil der Weltkirche und als Missionare ist unser Platz eben nicht irgendwo im Abseits, sondern mitten unter den Menschen. Diese Menschen wollen wir mit Knechtsteden bekanntmachen und ihnen die Möglichkeit bieten, unser Kloster und den Glauben zu erleben.

Kann sich der Orden mit seinen Ressourcen Knechtsteden überhaupt noch leisten?

Emezi Wir denken jeden Tag darüber nach. Immerhin haben wir keine Nachwuchssorgen. Und was die finanzielle Situation betrifft, so suchen wir nach Wegen. Wir wollen Knechtsteden weder verkaufen noch aufgeben.

Wie sieht Ihre Vision für das Jahr 2020 aus?

Emezi Derzeit entwickeln wir neue Ideen und Konzepte. Uns liegt daran, dass vermehrt Jugendliche und junge Eltern den Weg hierher finden. Wer weiß: Vielleicht machen wir ein Jugendzentrum aus Knechtsteden.

Heiko Schmitz führte das Gespräch

(NGZ)