1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Willkommensgruß für Babys

Dormagen : Willkommensgruß für Babys

Mit einem "Babybegrüßungspaket" heißt die Stadt kleine Neu-Dormagener willkommen. Mitarbeiter vom Jugendamt besuchen die Familien und bringen dabei nicht nur Nützliches mit. Sie werben auch um Vertrauen.

Der kleine Mann, um den sich alles dreht, schläft. Das tut er häufig, denn er hat anstrengende Tage hinter sich, an die er sich nie richtig erinnern können wird, denn Mats ist ganze 13 Tage alt. Für Esther und Nils Schiefelbein hingegen werden diese Tage seit der Geburt ihres Sohnes im Hackenbroicher Kreiskrankenhaus unvergesslich bleiben – auch wenn mit Linda-Marie, geboren im Januar 2009, schon ein kleiner Wirbelwind durch die Wohnung tobt. Durch Linda-Marie kennen die beiden 29-Jährigen auch das Prozedere schon, das allen frischgebackenen Eltern in Dormagen zuteil wird: ein Besuch vom Jugendamt – mit Übergabe des "Babybegrüßungspakets".

Ein bisschen kommen sich Esther und Nils Schiefelbein schon vor wie bei der Bescherung, auch wenn die Geschenke, die Heiko Brüggerbusch vom Jugendamt verteilt, eher praktischen Wert haben: "Ich finde das nützlich", sagt Esther Schiefelbein. Schon vor der Geburt hat sie sich Unterlagen rausgesucht, die sie zur Geburt von Linda-Marie von der Stadt erhalten hat: Formulare, Adressen, alles rund ums Kinder- und Elterngeld. "Es ist sinnvoll, Informationen zur Kinderbetreuung, Sportangeboten oder Ämtern in kompakter Form zu erhalten", sagt sie.

Das finden die meisten Eltern: "Es gibt kaum Fälle, in denen unser frühzeitig angekündigter Besuch abgelehnt wird", sagt Heiko Brüggerbusch, der nicht zufällig in Dormagen gelandet ist. "Ich habe im Studium viel vom Dormagener Familiennetzwerk gehört. Schließlich war die Stadt die erste Kommune, die dieses Begrüßungspaket institutionalisiert hat." Für ihn ist der Weg in die Familien etwas Besonderes, ganz so, wie sich der frühere Bürgermeister und Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, das vorstellt. Die nützlichen Utensilien – von der Info-Kladde mit Ansprechpartnern, Gutscheinen für Kultur- und Sportangebote, Kochbuch, Sprachtratgeber für Eltern bis hin zum Rauchmelder, den der Chempark sponsert – sind nur materieller Ausdruck einer Haltung: "Der persönliche Besuch soll Wertschätzung signalisieren. Es geht darum, sich mit den Eltern über die Entscheidung fürs Kind zu freuen", sagt Hilgers. Und um den direkten Kontakt, der Eltern Berührungsängste nehmen soll. "Post oder Besuch vom Jugendamt verbinden ja viele mit gemischten Gefühlen", weiß Heiko Brüggerbusch. Gerade deshalb soll der "Baby-Besuch" nicht als Kontrolle missverstanden werden. Bei Nils Schiefelbein kommt die Botschaft an: "Dass ein Mitarbeiter vom Jugendamt kommt, unsere Fragen aufnimmt und klärt, macht vieles leichter."

(NGZ)