Dormagen: Wie sich Auferstehung denken lässt

Dormagen: Wie sich Auferstehung denken lässt

Pater Hermann-Josef Reetz widmete sich den "letzten Dingen".

Mit dem Satz "Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben", klingt das Apostolische Glaubensbekenntnis aus, womit das Nachdenken darüber, wie sich der Mensch dies vorstellen könne, freilich erst beginnt. Kurz nach seinem 75. Geburtstag hatte sich Pater Hermann- Josef Reetz anlässlich des 132. Knechtstedener Bibliotheksabends dieses Themas angenommen, das einerseits zum Kern des christlichen Glaubens gehört, andererseits "schon immer eine Zumutung für das Denken gewesen ist", wie Reetz sagte.

Dies gilt insbesondere von der "Auferstehung des Fleisches", wie es richtig übersetzt heißen müsse. Die Vorstellung einer unsterblichen Seele dagegen gehörte schon Jahrhunderte vor Christi Geburt zum festen Bestandteil platonischer Philosophie. Wie Reetz deutlich machte, tauchte der Gedanke einer individuellen Auferstehung verbunden mit einem Gericht nach dem Tode im Judentum erst spät, etwa in den apokalyptischen Schriften des Alten Testaments, auf. "In diese Vorstellung wird Jesus hinein geboren", sagte Reetz, wobei diese Vorstellung auch im Judentum nicht Allgemeingut gewesen sei. Auch für manch einen Christen überraschend: "Der Auferstehungsglaube ist gar nicht so zentral in der Predigt Jesu. Für ihn ist vielmehr das Reich Gottes das Entscheidende, und das ist nicht unbedingt das, was wir als Auferstehung und ewiges Lebens verstehen", erläuterte der Theologe.

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Deren zentrale Stellung im Christentum rührt von Paulus her, den nach Reetz' Worten "das Leben Jesu gar nicht interessiert", habe. Paulus sei es vielmehr darum gegangen, dass Jesus am Kreuz gestorben und die Schuld der Menschen auf sich genommen habe. Das Zeichen der Erlösung der Menschen sei die Auferstehung. Auf dieser Basis beruht denn auch im Wesentlichen das gesamte theologische Nachdenken über den letzten Satz des Credo. Wobei es große Unterschiede gibt, selbst innerhalb der katholischen Kirche. Deren Katechismus gibt die traditionelle Lehre wieder, wonach Leib und Seele sich beim Tod eines Menschen trennten und es erst bei der Auferstehung der Toten und dem Jüngsten Gericht zu einer Wiedervereinigung komme. Bleibt Reetz zufolge hier das Problem, wo denn der "Ort" für die unsterbliche Seele bis zum Jüngsten Gericht sei, wird gegenüber der protestantischen Vorstellung des Todes von Leib und Seele gleichermaßen und der späterer Auferweckung der Einwand erhoben, ob der Auferweckte denn wirklich "identisch" mit dem Verstorbenen ist. Demgegenüber vertritt der katholische Theologe Gisbert Greshake den Standpunkt, dass die Auferstehung Leib und Seele gleichermaßen betreffe - wogegen der damalige Theologieprofessor Joseph Ratzinger die traditionelle Lehre verteidigte. In ökumenischer Hinsicht trennend seien diese Vorstellungen nicht, merkte Reetz an - was durchaus damit zu tun hat, dass menschliches Denken hier an seine Grenzen stößt.

(NGZ)