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Widerstand gegen Erzbistum: Pfarre in Dormagen mit Petition gegen Vertuschung

Kirche in Dormagen : Pfarre startet Petition gegen Vertuschung

Vier Gemeindemitglieder aus der Pfarre von Klaus Koltermann sammeln auf Plattform Unterschriften. Sie fordern Veränderungen in der Kirche.

Vier Gemeindemitglieder des katholischen Seelsorgebereiches Dormagen-Nord haben vor wenigen Tagen auf der Plattform „change-org“ eine Petition gestartet. Anlass war die Reaktion des Erzbistums auf die Kritik „ihres“ Pfarrers Klaus Koltermann an Kardinal Woelki. Doch Doris Engels, Regina Bergande, Birgit Linz-Radermacher und Thomas Bose geht es um mehr, es geht ihnen jetzt auch um Grundsätzliches: Ihre Petition richtet sich gegen „die Vertuschung von Straftaten seitens einzelner Vertreter der katholischen Kirche und vor allem gegen die Einschüchterung von internen Kritikern, die ihrem Gewissen folgen“, sagt das Quartett. Am Freitag Nachmittag hatten schon 1800 Menschen aus ganz Deutschland die Petition unterschrieben.

Kostenpflichtiger Inhalt Pastor Koltermann hatte den Auftritt des Kardinals in der Christmette im Köln Dom, dessen Aussagen zu den Missbrauchsfällen kritisiert und den Rücktritt Woelkis gefordert. Das sorgte für bundesweites Aufsehen, Koltermann wurden vom Kostenpflichtiger Inhalt Erzbistum zunächst Sanktionen angedroht, dieses aber wieder zurückgenommen. „Es geht uns darum, Unterschriften zu sammeln, um deutlich zu machen, dass Pastor Koltermann mit seiner Meinung nicht alleine steht, sondern dass er das ausgedrückt hat, was viele Mitglieder der Kirche denken und fühlen“, so Linz-Radermacher. Es sei vor allem auch „die Wut über die Konsequenzen“, die Pastor Koltermann von Köln angedroht worden waren. Linz-Radermacher fragt: „Wie kann es sein, dass Missbrauchstäter über Jahre im Priesteramt verbleiben können und einem Kritiker in einem für die Kirche rasanten Tempo für eine Gewissensentscheidung Bestrafung angedroht wird?“

Pastor Koltermann wurde vorgeworfen, er hätte der Kirche geschadet. „Viele Menschen sind jedoch der Meinung, dass er genau das Gegenteil getan hat: er ist ganz im Sinne der christlichen Botschaft die Wahrheit gesagt und ist für die Menschen eingetreten.“ Unterstützung bekommt Koltermann auch vom Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken. Der sagte gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur KNA: „Wie kann man in dieser aufgeheizten Atmosphäre schriftliche Mahnungen versenden, statt das persönliche Gespräch zu suchen?“, fragte Picken.Aus Sicht der Petitions-Organisatoren erhielt Thomas Bose „erstaunlich schnell“ einen Anruf aus dem Erzbistum, der mit den Initiatoren ins Gespräch kommen möchte. Linz-Radermacher ist skeptisch: „Will Köln uns damit beschwichtigen und eine ,Beruhigungspille’ geben, damit wir die Petition zurückziehen?“

Inzwischen ist die Petition aktualisiert worden. Der erste Teil, in dem es um die disziplinarischen Schritte gegen  Koltermann  ging, ist herausgenommen worden, „aber der Teil, in dem es gegen die Vertuschung von Missbrauch geht, ist immer noch offen“. So lange nicht auch „offen und ehrlich mit dem Missbrauchskandals umgegangen wird, so lange werden die Gläubigen weiter kämpfen. Durch Pastor Koltermann ist etwas in Bewegung geraten“. Die Petition ist erreichbar unter http://chng.it/7xRWsMrxfT.