Dormagen: Widerstand gegen den Konverter wächst

Dormagen: Widerstand gegen den Konverter wächst

Bei einer gut besuchten Bürgerversammlung in Gohr meldeten sich spontan etwa 50 Teilnehmer, die bei einer Bürgerinitiative gegen einen möglichen Konverter-Standort in Gohr mitarbeiten wollen. Start ist am 4. September.

Der Saal im Gohrer Landgasthaus war voll besetzt, einigen Interessierten blieben nur Stehplätze übrig: Die Gohrer und Broicher wollten sich über die Pläne zu einem Strom-Konverter, der möglicherweise in ihrem Umfeld gebaut werden könnte, informieren. Von den rund 300 Besuchern der Bürgerversammlung, die von Vertretern aller vier in Gohr ansässigen Parteien einberufen worden war, meldeten sich spontan etwa 50, die in einer Bürgerinitiative gegen den Konverter in Gohr mitarbeiten wollen. Das erste Treffen ist am Donnerstag, 4. September, um 19.30 Uhr wieder im Gohrer Landgasthaus.

"Wir sind überparteilich und wollen ganz Dormagen ansprechen", sagte Sprecher Heinz Kemper, der als Moderator durch den Abend führte. Es würden so viele Unterstützer wie möglich benötigt, um den wachsenden Widerstand auch zu dokumentieren.

Der Netzbetreiber Amprion, der einen Standort für seinen Konverter sucht, war nicht vertreten. Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld, Landtagsabgeordneter Rainer Thiel ("Einen großen Konverter im ländlich geprägten Bereich bei Gohr und Evinghoven hinzusetzen, ist nicht maßstäblich") sowie Peter Mertens und Walter Giesen von der Bürgerinitiative gegen den Konverter in Rommerskirchen, die bisher 1800 Unterschriften gesammelt hat, informierten die Besucher und beantworteten Fragen.

Bei Gohr und Evinghoven liegen zwei von 20 jetzt überprüften Standortbereichen für den 20 Meter hohen Konverter im Rhein-Kreis. Mit ihm wird Strom, der von der Nordsee nach Süddeutschland transportiert wird, umgewandelt. "Der Konverter wird im Rhein-Kreis landen, da er in der Nähe des festgelegten Netzverknüpfungspunktes Osterath gebaut werden soll", nahm Bürgermeister Lierenfeld die Hoffnung, dass das Bauwerk auf einer Fläche von rund 14 Fußballfeldern in einem anderen Bundesland errichtet werden könnte. Das Ziel sei nicht, wie beim St.-Florians-Prinzip, anderen Städten den Konverter zuzuschanzen, sondern eine einvernehmliche Lösung im Rhein-Kreis zu finden, so Lierenfeld: "Der Konverter muss dort hin, wo er am weitesten weg von den Menschen ist." Seine Forderung an Amprion rief viel Beifall bei der Bürgerversammlung hervor: "Die Menschen gehen vor wirtschaftlichen Interessen."

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Eine Bürgerinitiative könne durch Unterschriftensammeln und Aktionen darauf aufmerksam machen, dass hinter diesen Forderungen viele Menschen stehen: "Die Bürgerinitiativen sind das Rückgrat, die Verwaltung kann die Speerspitze sein", sagte Lierenfeld.

Die Bürgermeister im Rhein-Kreis und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke setzen sich bei Amprion für nachvollziehbare Kriterien bei der Standortsuche ein. Bisher habe Amprion zwar ihre 55 Fragen beantwortet, nicht aber das Schreiben der Stadt Dormagen, mit dem auf einige Fehler hingewiesen wurde.

Mit Nachdruck äußerten viele Gohrer und Broicher Bürger große Bedenken, die von der Verschandelung der Natur ("riesiger Klotz") über das Ende der Lebensqualität ihres Ortes ("damit endet die Zukunft von Gohr") bis zu grundlegenden Ängsten ("Das ist unsere Gesundheit, die auf dem Spiel steht, unser Schlaf und unsere Ruhe") reichten.

(NGZ)
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