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Dormagen: Wettbewerb um Arbeitskräfte

Dormagen : Wettbewerb um Arbeitskräfte

Die Wirtschaft macht sich ernsthaft Sorgen: Der demografische Wandel wird zu einem zunehmenden Mangel an Arbeitnehmern führen, um die schon heute ein Wettbewerb geführt wird. Bei Currenta wird bereits vorgesorgt.

Das Jahr 2030 wird häufig genannt, wenn das Stichwort "Demografie" in Dormagen fällt — kein Wunder, lässt sich die Jahreszahl doch mit ebenso plakativen wie erschreckenden Befunden in Verbindung bringen. Zum einen wird voraussichtlich jeder Dormagener 2030 älter als 65 Jahre sein.

Zum anderen wird die Zahl der jungen Menschen im Ausbildungsalter in Dormagen bis dahin um bis zu 40 Prozent sinken — das treibt auch die Dormagener Wirtschaft um, wie sich beim jüngsten Forum der "Lokalen Allianz" am Montagabend zeigte. Über 100 Besucher kamen in die Kulle. "Offensichtlich haben wir mit diesem Thema einen Nerv getroffen", sagt Gabriele Böse, Sprecherin der Lokalen Allianz.

Das grundsätzliche Problem ist evident: die Überalterung der Gesellschaft, die Demografie-Experte Winfried Kösters schon vor einigen Monaten in Knechtsteden mit der ökonomischen Seite in Verbindung gebracht hatte.

Auch die Belegschaft der Unternehmen könne nur noch altern, und der Nachwuchs fehle: Ausscheidende Arbeitnehmer werden zahlenmäßig nicht zu ersetzen sein. "Wir hatten 1964 1,357 Millionen Geburten in Deutschland, vergangenes Jahr noch 678 000." Der Jahrgang 1964 sind die Arbeitskräfte, die in 20 Jahren ausscheiden und eine nicht zu füllende Lücke hinterlassen. Schon heute sind zudem 40 000 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Mit dabei beim neuerlichen "Krisengipfel" der Wirtschaftsallianz war Currenta, Dormagens größter Ausbilder. Joachim Waldi, Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor, malte ein nachdenklich stimmendes Szenario: 2009 war der durchschnittliche Currenta-Mitarbeiter 47 Jahre alt. Nicht einmal jeder fünfte Mitarbeiter war jünger als 40. 2020 wird der Altersdurchschnitt bei 52 Jahren liegen. Fast 40 Prozent der Mitarbeiter werden dann älter als 55 sein.

Aus diesem Grund hat Currenta ein Demografie-Management entwickelt, wie Gerd Verfuss, Leiter des "Demografieprogramms", erklärte. Dazu gehören eine verstärkte Gesundheitsfürsorge, eine altersgerechte Arbeitsorganisation und Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Zu dieser Vereinbarkeit gehört auch, dass immer mehr Mitarbeiter sich künftig um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen", so Diakonie-Vorstand Bernd Gellrich.

Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein will ab 2012 eine Fachberatung zu Fragen des demografischen Wandels anbieten. "Der Großteil der mittelständischen Unternehmen ist von diesem Thema noch ganz weit weg", weiß Frank Lorenz von der IHK.

(NGZ)