Dormagen: Wenn Hunde aggressiv werden

Dormagen : Wenn Hunde aggressiv werden

Auf einem Spielplatz in Nievenheim wurde ein zweijähriges Mädchen von zwei unangeleinten Hunden umgeworfen und durch den Sturz verletzt. Was bei Begegnungen mit Hunden zu beachten ist.

Zwei Hunde rasen auf ein zweijähriges Mädchen zu, springen es an, werfen es zu Boden und schnappen nach Kopf und Füßen. "Es sah sehr gefährlich aus", schildert Anne Müller (Name von der Redaktion geändert) den Vorfall am Samstag auf einem großen Spielplatz, Am Damschenpfad, hinter einem Discounter in Nievenheim. Ihr Mann rennt zum Nachbarskind und hebt es vom Boden hoch.

Einer der nicht angeleinten Hunde hatte sich im Schuh verbissen, der dadurch kaputt ging. Durch den Sturz erlitt das Mädchen laut Müller eine Gehirnerschütterung, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Inzwischen ist es wieder zu Hause. Die Polizei hat, wie Polizeisprecher Hans-Willi Arnold bestätigt, am Samstag Nachmittag eine Anzeige gegen den Hundehalter aufgenommen.

Noch drei Tage später ist Anne Müller, die mit Hunden aufgewachsen ist, geschockt: "Zum Glück wurde die Kleine nicht gebissen, aber da hätte wer weiß was passieren können." Die Nievenheimerin wünscht sich, dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner bereits in der Nähe von Spielplätzen auf Feldwegen anleinen würden: "Kinder reagieren ja oft spontan und nicht tiergerecht — da sollte man Konflikte vermeiden." Das Wohl der Kinder gehe vor.

Das sieht auch das Ordnungsamt so. "Grundsätzlich gilt Leinpflicht in bebauten Orteilen", erklärt Holger Burdag, Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung. Das heißt, in Dormagen gilt eigentlich überall Anleinpflicht für die 3400 Hunde. "Die Hunde müssen mindestens dreißig Meter außerhalb des Ortes sein, um unangeleint laufen zu dürfen." So dürften sie spielen und tollen, aber eben nicht innerhalb von Siedlungen. "Auf Spielplätzen sind Hunde komplett verboten", sagt Burdag.

"In einer aktuellen Situation kann man das Ordnungsamt anrufen", erklärt Burdag. "Unser Außendienst prüft sofort die Lage." Für Hundebesitzer fällt bei einem Verstoß ein Bußgeld zwischen 20 und 30 Euro an. Abends und nachts übernimmt die Polizei. Wie oft ein Einsatz gegen bissige Hunde vorkommt, ist laut Polizeisprecher Arnold aus der Statistik nicht herauszufiltern: "Angezeigte Hundebisse laufen unter Körperverletzung."

Bei einer Begegnung mit aggressiven Hunden sollte man ruhig bleiben. Das empfiehlt Ivonne Spitzley vom Trainingszentrum Mensch-Hund in Delhoven. "Kinder verhalten sich aus Angst oft falsch. Wenn sie weglaufen, lösen sie bei Hunden einen Beute-Reflex aus", sagt die Biologin. Man sollte nicht schreien und dem Hund nicht in die Augen schauen. Wenn Hunde mit dem Schwanz wedeln, freuen sie sich nicht unbedingt: "Es zeigt nur ihrem hohen Erregungszustand, der auch aggressiver Natur sein kann."

Eltern sollten den Hund nie mit dem Kind allein lassen. "Es geht lange gut, plötzlich nicht mehr", erklärt Spitzley. "Selbst wenn sich der Hund freut und das Kind anspringt, kann es verletzt werden." Das Trainingszentrum in Delhoven arbeitet mit Schulen aus der Region zusammen. Auch für Jogger gilt: Stehen und sachlich bleiben. "Oft kommt es zur Streitsituation zwischen den Menschen, da wäre Verständnis auf beiden Seiten wichtig", sagt sie.

Hundebesitzer sollten sich fragen: Habe ich meinen Hund gut genug im Gehorsam? "Wenn nicht, muss der Hund angeleint werden", erklärt Spitzley. Für sie ist aber auch klar: "Der Hundebesitzer ist in der Pflicht. Wenn der Hund hingerannt ist, dann muss man da hinterher."

(NGZ/rl)
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