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Dormagen: Weniger Bienen, weniger Obst

Dormagen : Weniger Bienen, weniger Obst

Landwirt Peter Schumacher vom Sülzhof sorgt sich um seine Obsternte. Weil Bienen wegen der Kälte kaum flogen (NGZ berichtete), wurden Blüten nicht bestäubt. Schumacher rechnet teilweise mit 90 Prozent weniger Ertrag.

Einigermaßen schlecht gelaunt steht Peter Schumacher inmitten seiner Obstplantage. "Manche sind gut behangen, bei anderen ist kaum etwas zu sehen", sagt der Landwirt und deutet auf die Apfelbäume. Bei einigen Sorten, etwa Elstar, erwartet er bis zu 90 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr. Und das aus zwei Gründen: Zum einen hat unerwarteter Frost im Frühjahr zahlreiche Blüten vernichtet. Zum anderen wurden die Blüten nicht bestäubt.

Diese Aufgabe übernehmen normalerweise Bienen. Die fliegenden Insekten haben ihren Stock in diesem Jahr aber nur selten verlassen, da es bislang oft zu nass und zu kalt war; Bienen fliegen erst aber Temperaturen um 12 Grad (NGZ berichtete). Außerdem kämpfen Imker mit Krankheiten und Parasiten, die Bienen befallen. Das größte Problem ist die sogenannte Varroa-Milbe. Peter Schumacher, gelernter Obstbauer, arbeitet seit Jahren mit einem Imker aus Zons zusammen. Dieser konnte ihm in diesem Frühjahr erstmals keine Bienen zur Verfügung stellen. "Er hat leider kurzfristig abgesagt", sagt Schumacher. Normalerweise stehen zur Blütezeit bis zu zehn Völker an einer geschützten Stelle auf der Plantage und sorgen für die Bestäubung der Pflanzen.

Wildbienen, Hummeln und andere fliegende Insekten haben es offenbar an den wenigen schönen Tagen nicht geschafft, alle Blüten zu bestäuben. Wie wichtig das nach Rind und Schwein drittwichtigste Nutztier für die Landwirtschaft ist, erläutert der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach, Wolfgang Wappenschmidt: "Wir stehen in ständigem Austausch mit Imkern, sprechen zum Beispiel auch darüber, welche Kulturen verträglich sind. Bienen haben enorme Bedeutung für Obstbauern und das Ökosystem."

Was passiert, wenn die Bienen ihren Job nicht erledigen, erlebt nun Landwirt Schumacher. Neben weniger Ertrag bei Äpfeln seien vor allem Steinfrüchte betroffen. "Ganz schlimm", sagt Schaumacher, "ist es bei den Pflaumen." Auch hier erwartet er einen Ernteeinbruch von bis zu 90 Prozent. In guten Jahren fährt er rund drei Tonnen der Früchte ein. "Für unseren Hofladen werden wir genug Ware haben", meint der Bauer vom Sülzhof, "die Großkunden wie Edeka werden wir aber wohl kaum beliefern können." Schumacher hofft, dass die Getreide- und Zuckerrübenernte den Ausfall kompensieren wird. Und dass im kommenden Jahr die Bienen wieder fliegen.

(NGZ/rl)