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Dormagen: Wasserversorgung bleibt bei der evd

Dormagen : Wasserversorgung bleibt bei der evd

Die viel diskutiere Privatisierung des Trinkwassers wird offenbar in Dormagen ohne größere Auswirkungen bleiben. Der heimische Versorger evd operiert nur im Stadtgebiet und braucht wohl keine Mitbewerber zu fürchten.

Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Mittwoch Abend einstimmig beschlossen, die Europa-Abgeordneten der Region aufzufordern, dass diese sich dafür einsetzen, dass die Trinkwasserversorgung aus dem Anwendungsbereich der Konzessionsvergaberichtlinie herausgenommen wird.

Ein Thema, das Rudolf Esser, Geschäftsführer des Dormagener Energieversorgers evd, ruhig schlafen lässt. Denn, so sagt er, "wir sind ausschließlich auf Dormagener Gebiet tätig". Und damit wohl raus aus der Gefahr, sich in einem europaweiten Vergabeverfahren privaten Konkurrenten stellen zu müssen. Die evd, die zu 51 Prozent zur Stadt gehört und zu 49 Prozent der RheinEnergie AG in Köln, teilt sich mit den Kreiswerken Grevenbroich das Versorgungsgebiet Dormagen und liefert Trinkwasser in die Stadtmitte, nach Horrem, Rheinfeld, Hackenbroich und Delhoven.

Damit erfüllt sie die Vorgabe in der geplanten EU-Richtlinie, wonach dann kein Ausschreibungspflicht besteht, wenn der Umsatz zu mindestens 80 Prozent im eigenen Stadtgebiet erzielt wird. Und genau das ist bei der evd der Fall. EU-Kommissar Michael Barnier hat mit Blick auf die besondere Situation einiger deutscher Stadtwerke den Vorschlag gemacht, diese 80 Prozent-Regel nur auf die Aktivitäten eines Stadtwerkes in der Wassersparte zu beziehen und nicht auf den Gesamtumsatz.

Auch diese Zusage will der Kreistag über seine Europa-Abgeordneten als Ausnahmeregelung berücksichtigt wissen. Vorausgesetzt, so Barnier, dass das Unternehmen eine strukturelle Trennung oder eine getrennte Buchführung über öffentlicher und privater Art einführt.

Im Wassergeschäft sieht sich die evd gut aufgestellt. 1,7 bis 1,8 Millionen Kubikmeter werden jährlich ins Netz eingespeist. Wasser, das aus 20 bis 30 Meter tiefen Grundwasserbrunnen auf Dormagener Stadtgebiet gefördert wird. Der Versorger verfügt über eigene Wasserwerke auf dem Unternehmensgelände sowie im Chorbusch mitten im Wald. Dann geht es im wesentlich darum, den Härtegrad des Wassers von 26 zu halbieren sowie die Eisen- und Mangananteile zu entfernen.

In Gohr, Straberg oder Zons bekommen die Kunden die Rechnung von den Kreiswerken — eine Regelung, die noch aus der Zeit vor der kommunalen Neugliederung 1975 herrührt. Bis 2026 laufen noch die Konzessionsverträge zwischen dem Grevenbroicher Versorger und der Stadt, ab 2016 besteht für die Stadt ein Sonderkündigungsrecht. Ob es dann zu neuen Geschäftsbeziehungen kommen wird, ist fraglich. Die Kreiswerke sind ein starker Versorger in der Region, ein Mitbewerber (evd) müsste die gesamte Infrastruktur erwerben.

Anders als beim Trinkwasser muss sich die evd beim Thema Strom starker Konkurrenz stellen. Billiganbieter werben auch auf Dormagener Gebiet nach Kunden. Durchaus mit Erfolg: Rund zwölf Prozent der Privatkunden geht der evd verloren, "mit Preisen, die wir nicht nachvollziehen können", sagt Rudolf Esser.

"Und wenn ein Billiganbieter pleite geht, dann fangen wir die Kunden auf, weil wir eine Pflicht zur Grundversorgung haben." Die Energieversorgung Dormagen (evd) sehen sich gleichwohl gut aufgestellt und in der Stadt stark verankert. "Darin sehen viele Kunden auch den Vorteil eines Stadtwerks", so Esser. Jeder der 75 Arbeitsplätze ermöglichen, so wirbt die evd, zwei weitere Arbeitsplätze in Dormagen. Eng mit dem Vereins- und Kulturleben der Stadt verknüpft wandert viel Geld unterstützend in die Bereiche Soziales, Kultur, Sport und Veranstaltungen.

(NGZ/rl)