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Dormagen: Was die TDI-Anlage bringt

Dormagen : Was die TDI-Anlage bringt

Für die einen ist sie ein technologischer und ökonomischer Meilenstein, für andere ein Sicherheitsrisiko. Die NGZ hat mit Dieter Kuhne, Produktionsleiter TDI, über die neue Anlage gesprochen, die ab 2014 TDI produzieren soll.

Chempark-Leiter Walter Leidinger sieht in der neuen TDI-Anlage einen Meilenstein für Dormagen und die Region. Bayer MaterialScience (BMS) investiert 150 Millionen Euro in die neue Anlage zur TDI-Produktion – TDI ist ein Vorprodukt für Weichschäume.

"Etwas, das wir alle kennen und brauchen", sagt Dieter Kuhne, der TDI-Produktionsleiter bei BMS. Der gebürtige Bochumer, der seit 25 Jahren bei Bayer mit dem Produkt beschäftigt ist, seit 2004 in Dormagen arbeitet und in Straberg lebt, nimmt Stellung zu wichtigen Fragen rund um die neue Anlage.

Was bedeutet die Anlage für Dormagen? Chempark-Leiter Walter Leidinger betont den Wert der Investition – nicht nur wegen der absoluten Summe, sondern auch wegen der Signalwirkung: Wenn BMS 150 Millionen in den Standort steckt, folgen auch andere. Zumal TDI Teil eines Produktverbunds ist: Das Koppelprodukt Salzsäure etwa wird vor Ort weiterverarbeitet.

Besonders wichtig findet Kuhne die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: "Hier entstehen echte High Tech-Jobs. Wir haben schon 15 Chemikanten eingestellt, die auf den Betrieb der Anlage vorbereitet werden. Und wir erhalten bestehende Arbeitsplätze."

Was bedeutet die Anlage für BMS? Die alte Anlage war nicht mehr wettbewerbsfähig. Um das Geschäft und rund 250 direkt und indirekt mit der TDI-Produktion zusammenhängende Jobs zu sichern, musste das Verfahren effizienter werden: weniger Prozessschritte, weniger Energieverbrauch. Pro Tonne TDI werden 60 Prozent weniger Energie verbraucht, es wird nur noch ein Fünftel der bisherigen Menge an Lösungsmittel verwendet. "Die Entscheidung für die neue Anlage fußt auf den guten Erfahrungen mit der Pilotanlage", so Kuhne. Deren Technologie kommt auch in China zum Einsatz – kontrollierter Technologie-Transfer.

Wie sicher ist die Produktion? Seit 1964 wird in Dormagen TDI produziert. "Es gab keinen einzigen Störfall", sagt Dieter Kuhne. "Wir haben gezeigt, dass wir mit der Materie sicher umgehen können." Vorwürfen wegen zu geringer Abstände zur Wohnbebauung bei Störfällen begegnet BMS mit dem Verweis auf das Industriegebiet und die Einhausung der Anlage. Kuhnes wichtigstes Argument: "Ich wohne selbst in Straberg – das ist ja Luftlinie nicht so weit weg."

Welche Kritikpunkte gibt es? "Fragen gibt es immer und zu recht", so Kuhne. Er werde auch zuhause von seiner Tochter gefragt: "Was macht ihr da?" Die Diskussion findet er verständlich – er beteiligt sich an ihr mit klaren Aussagen: "Die Anlage ist sicher, auch erdbebensicher. Das Rheinland ist Erdbebengebiet, aber wir sind nicht in San Francisco oder Japan."

(NGZ)