1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Was der evd-Aufsichtsrat plant

Dormagen : Was der evd-Aufsichtsrat plant

Das Amtsgericht hat entschieden, dass der Energieversorger evd seinen Kunden zu viel gezahlte Gas-Beiträge erstatten muss. Der Aufsichtsrat ist das Gremium, das die Gebühren abnickt. Doch welche Macht hat er?

Wenn Georg Manoussos das Wort "Gaspreis" hört, gerät er in Wallung. Durch mehrere Instanzen klagte der Dormagener gegen die evd — Ergebnis offen. Manoussos moniert, dass die von den Bürgern gewählten Politiker im Aufsichtsrat nicht im Sinne der Verbraucher urteilen. Doch ist das überhaupt ihre Aufgabe? Und welche Macht und Möglichkeiten haben sie?

Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, auch evd-Aufsichtsratsvorsitzender, gibt offen zu, dass es oft schwierig ist zwischen den Interessen der Bürger und der evd zu balancieren: "Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Aufsichtsrat im Sinne des Unternehmens handeln muss", sagt Hoffmann. Natürlich würden wichtige evd-Entscheidungen mit ihm abgestimmt. Auch könne er Empfehlungen geben. Das letzte Wort habe aber Geschäftsführer Rudolf Esser. "Und wenn der Geschäftsführer empfiehlt, die Prozesse weiterzuführen, werde ich dem nicht widersprechen", erklärt der Bürgermeister.

Peter Blenkers, Energiefachmann bei der Verbraucherzentrale NRW, beleuchtet die Problemzonen: "Die evd wird sicher mit Zahlen belegen können, über zu wenig Rücklagen zu verfügen." Müsste der Versorger Geld an die Verbraucher zurückzahlen, schlägt sich das letztlich also auch im Haushalt der Stadt nieder. Zudem ist es in vielen Kommunen üblich, klamme Gesellschaften — meist Bäder oder Verkehr — über profitable Sparten wie die Energieversorgung quer zu subventionieren. "Letztlich", sagt Blenkers, "wandert das Geld von der rechten in die linke Hosentasche."

CDU-Fraktionsvorsitzender Wiljo Wimmer, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, spricht von einer Kette. Die evd stünde in einer fiskalischen Beziehung mit Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft (SVGD), dem Eigenbetrieb der Stadt und der Stadt Dormagen selbst. Wimmer geht davon aus, dass in der nächsten Aufsichtsratssitzung im Dezember über die jüngsten Entwicklungen heftig diskutiert werde. Dem Urteil von evd-Geschäftsführer Rudolf Esser vertraut Wimmer: Er berate das Gremium plausibel, grobe Schnitzer habe er sich bisher nicht erlaubt.

Einigkeit herrscht ausnahmsweise auch zwischen den Fraktionen. SPD-Chef Bernhard Schmitt findet es unglücklich, dass das Amtsgericht die Verträge rückwirkend als ungültig betrachtet. Schließlich seien die Klauseln in den AGBs der Verträge eingearbeitet gewesen.

evd in Preisvergleichen günstig

Auch der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Karlheinz Meyer meint: "Wir hatten immer den Eindruck, dass die Kunden fair behandelt werden." Und in der Tat: Die evd stand in Preisvergleichen mit anderen Versorgern meist günstig da. Wechselwillig sind viele Gaskunden im Allgemeinen dennoch nicht. Verbraucherschützer Peter Blenkers sagt das so: "Die Verbraucher sind eine träge Masse."

(NGZ)