Warum die Jugendpolitiker neu denken müssen

Kommentar : Warum die Jugendpolitiker neu denken müssen

Genau 815.000 Euro. So viel lässt sich die Stadt jährlich die Betreuung und Angebote in den acht Einrichtungen für Kinder und Jugendliche kosten. Das ist ohne Zweifel gut angelegtes Geld für eine sinnvolle sozialpädagogische Arbeit.

Es sieht aber danach aus, dass eine sehr große Zahl von Jugendlichen in Dormagen nicht erreicht wird. Eben die, die, salopp gesagt, keinen Bock auf „Kontrolle“ haben, wie sie es empfinden. Sie wollen keine Spiel- oder sonstigen Angebote, keine Hausaufgabenbetreuung, keinen Sozialpädagogen. Vielleicht auch nicht in einen Verein eintreten. Sie wollen schlichtweg „chillen“, was immer darunter konkret zu verstehen ist. Es ist gleichwohl ein berechtigtes Anliegen von Halbwüchsigen, die in der Regel aus „normalen“ Elternhäusern kommen. Die Zeiten sind so. Wenn viele von ihnen sich mit Freunden in Imbissen oder Cafés treffen (müssen), weil sie keine akzeptable Alternative sehen, ist das ein klares Warnzeichen. Die Stadt muss sich nicht nur um Kinder aus schwierigen Familien kümmern, sondern um alle. Die Jugendpolitiker müssen sich spätestens nach dem beeindruckenden Auftritt der 15-jährigen Amelie selbst hinterfragen, ob sie nicht vielleicht zu oft monothematisch denken und die große (stille) Masse der Jugendlichen dabei vergessen.

Der Kommentar bezieht sich auf den Artikel „Jugendliche wollen eine pädagogenfreie Zone.“