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Dormagen: Vorwurf der Abzocke: Fahrlehrer wehren sich

Dormagen : Vorwurf der Abzocke: Fahrlehrer wehren sich

Der Autoclub Europa (ACE) wirft Fahrschulen vor, zu hohe Stundenzahlen und Durchfallquoten zu produzieren.

Zu viele Fahrschüler fallen bei der ersten Führerscheinprüfung durch, zu viele Fahrschulen kalkulieren genau dies durch eine schlechte Ausbildung ein, um mehr Fahrstunden abrechnen zu können. Die Vorwürfe, die der Automobilclub Europa (ACE) erhebt, wiegen schwer. Der ACE beruft sich auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. Danach sind im Jahr 2011 bundesweit knapp 28 Prozent der Fahrschüler mindestens einmal durch die Führerscheinprüfung gefallen.

Die Zahlen für 2012 werden noch erhoben, doch schon jetzt wehren sich die Dormagener Fahrschulen gegen den Vorwurf der Abzocke: Gestiegene Stundenzahlen hätten viel mit den Anforderungen im Straßenverkehr zu tun; wenig mit der fehlenden Motivation der Fahrschüler; überhaupt gar nichts aber mit unlauteren Methoden.

"Wer so eine Statistik derart interpretiert, hat nicht den Hauch einer Ahnung, was auf deutschen Straßen abgeht", sagt Fahrlehrer Dieter Roebers, der seit 1979 in Dormagen seine Fahrschule betreibt. Die Anforderungen an den Fahrschüler seien in den vergangenen 20 Jahren exorbitant gestiegen. "Sie fliegen heute bei jeder Kleinigkeit durch die Prüfung." Beispiel Autobahn: "Mein Fahrschüler hatte alles richtig gemacht, dann stockte der Verkehr plötzlich kurz vor Worringen auf der linken Spur. Er sollte die Autobahn rechts verlassen und ist an den abbremsenden Fahrzeugen vorbeigefahren — Prüfung beendet."

Jeder zehnte Fahrschüler von Roebers fällt bei der ersten Prüfung durch, bei einer durchschnittlichen Stundenzahl von rund 35 Fahrstunden. Bei den von der NGZ angefragten Fahrschulen (Engelmann, Roebers, Kucharczyk, Zapke und City-Fahrschule) variieren die angegebenen durchschnittlichen Stundenzahlen bis zur Prüfung zwischen 25 und 35, die Durchfallquote zwischen fünf (Engelmann) und 25 Prozent (Kucharczyk). "Vielen Eltern muss man erst deutlich machen, dass die Zeiten von 15 Fahrstunden plus Prüfung längst vorbei sind", sagt Roebers.

Die für Dormagen zuständigen Fahrprüfer sind Angestellte des TÜV Rheinland. Dort sieht man die Studie des ACE ebenfalls kritisch: "Die Pauschalisierung stört mich. Denn natürlich ist es in Städten schwerer als auf dem Land, eine Prüfung zu bestehen, zudem sind die persönlichen Hintergründe des Fahrschülers entscheidend. Dass ein Drittel die Prüfung nicht schafft, ist nicht zwingend die Schule der Fahrschulen Schuld", sagt der zuständige Abteilungsleiter beim TÜV, Arne Böhne.

Fahrlehrer Jörg Zapke glaubt sogar, dass die durchschnittlichen Stundenzahlen noch zu knapp bemessen sind. Immer mehr Jugendliche würden auf den Mofa-Führerschein verzichten und kämen daher als absolute Anfänger zur ersten Fahrstunde: "Wir fangen also wirklich bei Null an. Eine Fahrstunde dauert aber nur 45 Minuten. Bis zur Prüfung bleiben also nur rund 22 Stunden, um den Schüler fit zu machen." Dies sei keine Abzocke, sondern ein Minimum an Ausbildung.

(NGZ/rl/top)