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Von Nievenheim in den Kongo: Dormagener helfen in Afrika

Medizinische Versorgung : Dormagener helfen im Kongo

Verein der Freunde und Förderer Pater Hans Otto Wienen bauen das Gesundheitszentrum im Kongo aus. Es sichert die medizinische Versorgung für 150 000 Menschen in der Region.

Seit mehr als neun Jahren unterstützt der Verein der Freunde und Förderer Pater Hans Otto Wienen die Missionsstation im Kongo. Ein Schwerpunkt ist das Gesundheitszentrum, das die medizinische Versorgung von mehr als 150 000 Menschen in der Region sicherstellt. Daneben hatte es bislang nur zwei kleinere Außenstellen gegeben, an denen Medikamente ausgegeben wurden. Eine davon ist in den vergangenen elf Monaten ausgebaut worden. Jetzt gibt es Stationsräume und einen Operationsraum, in dem insgesamt drei Ärzte und vier Krankenschwestern arbeiten. Der Ausbau konnte nur Dank der Gelder aus Nievenheim bewerkstelligt werden.

Als nächstes sollen Sanitäreinrichtungen und eine Küche gebaut werden. „Das setzt ganz neue Standards“, sagt Marcel Wienen, der mit Anna Wienen, einer Nichte des vor neun Jahren gestorbenen Paters, verheiratet ist. Er erklärt: „Toiletten oder Plumpsklos sind im Kongo nicht üblich.“ Wer mal „müsse“, der gehe in den Dschungel, um sein Geschäft dort zu verrichten. Auch die Küche sei keine Krankenhausküche nach deutschen Maßstäben. „Wer im Kongo ins Krankenhaus kommt, versorgt sich selbst mit Essen oder wird von seinen Angehörigen versorgt. Im Umfeld der Einrichtungen findet man auch immer zahlreiche Straßenküchen – Frauen, die auf der Straße ihre Feuerstelle mit Topf haben und ihr Gericht zubereiten und verkaufen. Die neue Küche soll den Kranken mehr Unabhängigkeit bieten. Dort können sie oder ihre Angehörigen das Essen selbst zubereiten, was außerdem auch finanziell günstiger für sie ist.“

Der Innenausbau der Schulen wird von den Menschen vor Ort selbst gestemmt. Finanzielle Hilfe wollen sie dafür nicht in Anspruch nehmen. Foto: Verein

Zudem sollen neue Betten angeschafft und damit das Niveau der medizinischen Grundversorgung angehoben werden: „Bis jetzt läuft das so: Wo kein Bett ist, nimmt man sich Stroh und legt sich dahin, wo noch Platz ist“, so Wienen.

Kirchenvertreter bei der Einweihung der neu ausgebauten Räume. Foto: Verein

Grundsätzlich sorge die Missionsarbeit für einen Aufschwung in der Region. „Da, wo vorher nur eine kleine Kirche war, gab es eine Medikamentenausgabe und jetzt das Gesundheitszentrum. Auch katholische Missions-Schulen werden dann gebaut. Die Familien zahlen Schulgeld und die Menschen im Gesundheitszentrum etwas für die Versorgung. Das Geld wird von der Missionsstation reinvestiert in die Infrastruktur vor Ort.“ So würden etwa neue Blechdächer für die Schulen dringend benötigt, weil es durch die alten ständig reinregne. „Die werden durch den Verein finanziert. Für den Innenausbau wollen die Menschen hier aber selbst sorgen.“

Junge mit Beatmungshilfe in der Mission Mingana. Foto: Verein

Auch Medikamente schickt der Verein von Deutschland aus, wenn diese nicht oder nur schwer im Kongo zu beschaffen sind, in Zusammenarbeit mit der Action Medeor. „Seit Corona kommen mehr Menschen in das Gesundheitszentrum als früher. Deshalb brauchen wir jetzt mehr Medikamente gegen Erkältungs-Symptome. Und die sind wegen der erhöhten Nachfrage auch teurer geworden.“

Gegründet wurde der Verein nach dem Tod des aus Nievenheim stammenden Paters vor neun Jahren, um zu gewährleisten, dass seine Arbeit weitergeführt wird. Bis er im Alter von 59 Jahren starb, war der Pater durch seine Heimatgemeinde unterstützt worden. Mehr als 30 Jahre lang war Wienen missionarisch im Kongo tätig, in erster Linie als Priester. Aber auch die Aufgaben eines Arztes oder Entwicklungshelfers hatte Pater Hans-Otto Wienen bis zu seinem Tod im März 2011 übernommen. Heute zählt der Verein Rund 100 Mitglieder.