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Dormagen: Von Dormagen an die Elite-Uni der EU

Dormagen : Von Dormagen an die Elite-Uni der EU

Der 25-jährige Mirko Woitzik studiert in Brügge am "College of Europe". Jährlich machen an der Uni etwa 400 Studenten aus 50 Nationen einen Zusatzabschluss. Das Lernpensum ist hoch, doch das Studentenleben kommt nicht zu kurz.

Es sei die "Kaderschmiede der EU", die Ausbildungsstätte der künftigen "Lenker Europas" — so steht es in zahlreichen Artikeln über das "College of Europe" in Brügge. Wer hier studiert, hat gute Chancen auf eine Karriere bei der EU, viele Absolventen sind heute Minister. Der Dormagener Mirko Woitzik ist einer von jährlich 400 Studenten aus 50 Nationen, die dort lernen und leben. Seit September ist er dort, macht einen Postgraduate-Master in Diplomatie und Internationale Beziehungen.

Jetzt sind die letzten Prüfungen geschrieben, die Master-Arbeit abgegeben. Am Wochenende gab es die Abschlusszeugnisse. Abgehoben ist der 25-Jährige deswegen nicht. Sein Highlight nach zehn Monaten an der Eliteuni: "Als wir im Herbst gegen die letzte Abschlussklasse beim Fußballturnier 2:1 gewonnen haben."

Wie die meisten der Studenten am Campus in Brügge wohnt Mirko Woitzik in einer der Residenzen. Klingt prunkvoll, "ist aber kein Palast", versichert der Dormagener und lacht, sondern ein Wohnheim in einem tollen Gebäude — "in Brügge sind die alle noch ziemlich gut erhalten". Dass sein Zimmer 18 Quadratmeter misst, sei reine Glückssache: "Das wird per Losverfahren entschieden. So wird es am ersten Abend schon mal richtig spannend." Italiener, Türken, Tunesier, Schweden und Deutsche leben mit ihm auf einem Flur.

"Das ist hier ein großes soziales und internationales Gefüge, dem man sich nicht entziehen kann. Tagsüber sieht man sich in den Vorlesungen, in seiner Freizeit spielt man Tischtennis oder geht aus. Brügge ist nicht groß, man läuft sich ständig über den Weg."

Seinen eigenen Weg begann Mirko Woitzik am Norbert-Gymnasium Knechtsteden. Nach dem Abi absolvierte er seinen Zivildienst bei einer Menschen- und Asylrechtsorganisation in Paris, schloss ein deutsch-französisches Politikstudium an. Zwei Jahre verbrachte er in Münster, zwei im französischen Lille. "Dort war das College of Europe sehr bekannt — anders als in Deutschland. Da ich Interesse an der EU hatte und fließend Französisch sprach, hab ich mich mit dem Gedanken beschäftigt, mich dort zu bewerben."

Vorlesungen, Seminare, Lerngruppen: Das Leben am Elitecollege wird größtenteils durch Arbeiten bestimmt. Wenn Dozenten aus Brüssel oder anderen Staaten zu Gast sind, zieht sich der Unterricht bis in die Abendstunden oder ins Wochenende. "Da braucht man einen Ausgleich wie die Fußballmannschaft oder den Deutsch-Konversations-Kursus, den wir organisiert haben", erzählt Mirko Woitzik. "Der Druck ist konstant hoch, man hat ständig Stress, da geht man dann auch gerne noch mal zusammen in die Bar."

Ziemlich intensiv, sagt Mirko, seien Lernpensum und der Zusammenhalt. "Wir sitzen alle in einem Boot, haben ähnlich Ziele. Man führt unglaublich interessante Debatten, stößt auf andere Ansichten, lernt den Umgang mit anderen Kulturen — und deren Esskultur", sagt er und lacht. Zeit, seine Heimat zu vermissen, hatte er dennoch: "Doch zum Glück ist Brügge nur 300 Kilometer von Dormagen entfernt."

Jetzt hat er den Abschluss in der Tasche. Wie es für ihn weitergeht, weiß er noch nicht. "Ich habe mich auf eine Praktikumsstelle in Brüssel bei der Handelskommission beworben. Alternativ kann ich mir vorstellen, mit einem Sprachstipendium ein Jahr nach China zu gehen." Und danach? Auswärtiges Amt in Berlin, EU-Parlament, all das gilt es dann herauszufinden. Fest steht: "Mit zwei Freunden vom College geht es im Sommer erst mal auf eine Reise nach Luxemburg."

(NGZ/rl)