Dormagen: Vom Papst direkt zum Pastor

Dormagen : Vom Papst direkt zum Pastor

Diakon Martin Kochalski assistierte am Samstag dem Papst bei der Festmesse in Erfurt. Sonntag Morgen predigte er in St. Michael. Pfarrer Peter Stelten und der ostdeutsche Katholik pflegen einen engen Austausch.

Wer an höhere Mächte glaubt, darf von Fügung sprechen. Als solche bezeichnet Pfarrer Peter Stelten seine Begegnung mit Martin Kochalski in der Benediktinerabtei in Jerusalem, wo der 31-jährige Diakon einen Teil des Studiums verbrachte.

Sie sind Brüder im Geiste, sich spirituell nah – auch wenn sie sich nicht persönlich begegnen wie Sonntag in St. Michael – nur einen Tag, nachdem er dem Papst in Erfurt während der Festmesse assisitieren durfte. "Angemessen wolle man den Gast begrüßen", sagt Peter Stelten und lacht, während er auf ein Papst-Bildnis im Eingang des Pfarrhauses verweist.

Natürlich war der Papst-Besuch, den der Diakon mitgestaltete, das bestimmende Thema unter den Katholiken. Doch Stelten und Kochalski verbindet mehr als die Bewunderung ihres Oberhaupts. Was auf den ersten Blick überrascht: Hier Peter Stelten, der einer riesigen Gemeinde vorsteht, die er mit Verve und großem Bekanntheitsgrad leitet.

Dort der Diakon, der in Dresden fast im Verborgenen arbeitet. "Dass man ständig in der Stadt angesprochen wird, kenne ich nicht", sagt Kochalski. Kein Wunder: Drei Prozent der Menschen in den Neuen Ländern sind Katholiken, 80 Prozent konfessionslos. "Das ist Missionsgebiet", sagt er deutlich.

Was bewegt einen eloquenten Mann wie ihn, der schon auf dem Weg zum Gemeindereferenten war, unter solchen Bedingungen zu wirken? Es macht den im Mai in Dresden zum Diakon geweihten Mann, der in der Gemeinde St. Petrus wirkt, die mit 2500 Mitgliedern "relativ groß" sei, sympathisch, dass er sehr offen über Ängste, Zweifel, Widerstände spricht.

"Auch meine Familie war skeptisch", sagt der gebürtige Leipziger, der die Herausforderung liebt. Nicht nur für die Katholiken, sondern für alle da sein will. "Zwei drei Generationen sind ohne Glaube aufgewachsen. Die kennen auch kein Kreuz. Aber es gibt viele, die sagen: Da muss doch noch etwas mehr sein."

Dieses "Mehr" hat er mehrfach erlebt, etwa beim Ansehen eines YouTube-Videos, in dem Priester aus aller Welt sagen, was sie antreibt. "Ich hab mich gefragt: Was würdest Du sagen?" Seine Antwort: "Glaube hat Zukunft, mein Glaube hat Zukunft" – das passt zufällig zum Papst-Motto dieser Tage: Wo Gott ist, da ist Zukunft."

Als ihm ein Prälat nach einer Messe mitteilte, "sie sitzen auf dem falschen Pferd", hat er den Schritt zum Priester gewagt – "ohne ein großes Zeichen von Gott". Er wollte Gott eine Chance geben. Der hat sie offenbar genutzt – wie der Papst, der trotz straffen Zeitplans in Erfurt ein Erinnerungsfoto ermöglichte. Und seine Seminaristen mit der Frage "Habt ihr noch Ferien?" überraschte. "Er kennt sich aus, er weiß, wovon er redet", sagt Kochalski.

(NGZ)
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