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Dormagen: Vom Laufsteg zum Schreibtisch

Dormagen : Vom Laufsteg zum Schreibtisch

Er war Pelz-Model in Hamburg, bis Mathias Brandt das zu langweilig wurde. Als Ergotherapeut kam er nach Dormagen zur Demenzstation des Alloheims. Heute ist er der Leiter der Sozialen Dienste des Pflegeheims.

Nur schön aussehen, Pelz-Kreationen auf dem Laufsteg präsentieren und mit einem Glas Champagner in der Hand Smalltalk betreiben, das war auf Dauer nichts für Mathias Brandt. So gab der gebürtige Hamelner den Job als Model in Hamburg auf, um Therapeut zu werden: "Ich habe gemerkt, dass ich wissensdurstig bin und helfen möchte, dass es anderen besser geht", sagt der 46-Jährige, der seit 2003 in Dormagen in der Pflegeeinrichtung "Alloheim" arbeitet. Mehr als sanfter Druck der Familie steckte jedoch auch dahinter, wie Brandt lachend bekennt: "Meine Mutter hat gesagt: ,Mathias, jetzt mit Ende 20 ist Schluss mit Ausprobieren, lern mal was Richtiges'."

Bis zu seinem Wechsel nach Dormagen, wo er als Ergotherapeut die geschlossene Demenz-Abteilung im Alloheim mit aufbaute, hatte Brandt schon einiges erlebt. Nach der Bundeswehrzeit hat er anderthalb Jahre in Kanada freie Malerei und englische Gedichte studiert. Die Liebe zur Malerei ist bis heute geblieben, nicht jedoch der Beruf Künstler. Nach dem Kanada-Aufenthalt wollte Brandt etwas Künstlerisches leisten, so begann er eine Ausbildung zum Kürschner beim Pelzdesigner Dieter Zoern in Hamburg, dessen Pelze Berühmtheiten wie Tenor Placido Domingo oder die Adenauer-Familie trugen. "Doch schnell wurde klar, dass ich gar kein Talent zum Kürschner hatte", sagt Mathias Brandt. Allerdings engagierte ihn der Designer als Model für seine Pelz-Kreationen.

Sein Start ins Politologie- und Anglistik-Studium in Hamburg war denkbar schwer, wie Brandt heute im Rückblick erzählt: "Das war eine große Umstellung vom schicken Laufsteg mit edler Mode zum eher biederen Hörsaal mit legerer Kleidung." Für die Volkshochschule und eine Sprachenschule gab er während des Studiums Deutsch-Kurse für Ausländer, was mit zur Entscheidung für seinen heutigen Beruf beitrug: Er arbeitete mit ehemaligen Soldaten, deren Sprachzentrum nach Verwundungen gestört war. "Das hat mich bestärkt, Therapeut zu werden", erklärt der begeisterte Hobby-Koch, der nach Stationen in Köln und Düsseldorf seit Ende 2010 mit seiner zweijährigen Labrador-Hündin Santa nun auch in Dormagen wohnt.

Im "Alloheim" führte sein Weg von der Demenzstation ("Dort länger zu arbeiten, ist sehr belastend") über die Wohnbereichsleitung in die Abteilung "Soziale Betreuung und Therapie", deren Leiter er seit 2006 ist. Brandt organisiert zahlreiche Veranstaltungen für die Bewohner und auch für Besucher: "Die Senioren sind weiter ein Teil der Gesellschaft, die wir zu uns ins Haus holen möchten."

(NGZ)