Viel Spott für die Filiale der Post an der Römerstraße in Dormagen

Dauer-Ärger : Viel Spott für die Postfiliale an der Römerstraße

Weil die Filiale nach wie vor immer wieder stunden- oder tageweise geschlossen ist, flüchten sich viele Bürger in Galgenhumor. SPD und CDU wollen das Thema erneut aufgreifen. Auch der Seniorenbeirat ist sauer.

Ob auf der Straße oder in den Netzwerken im Internet: Wenn sich Dormagener über die Postbankfiliale an der Römerstraße austauschen, gibt es selten einen positiven Kommentar. Überwogen anfangs noch Ärger und danach Empörung, weil die Filiale aus unterschiedlichen Gründen (Krankheiten, Betriebsversammlungen, Personalnot...) immer wieder geschlossen ist, so dominieren mittlerweile Galgenhumor, Hohn und Spott. Denn das Öffnungs- oder besser: Nicht-Öffnungs-Theater ist auch nach mehreren Jahren nicht beendet. Im Grunde hat sich nichts geändert: Auch in der vergangenen Woche, am Samstag, gab es wieder eine Schließung, auf die eine Bürgerin flugs bei Facebook aufmerksam machte. Ende Mai und im Juni hatte es ebenfalls „Auszeiten“ in der Filiale gegeben. „Vielleicht ist es einfacher zu posten, wenn mal geöffnet ist“, schlug eine andere Dormagenerin voller Ironie vor.

Müssen die Bürger also weiterhin mit dem anhaltenden Missstand leben? Der Dormagener SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Behncke weiß, wie schwierig eine Lösung des Problems ist. Im vergangenen Jahr hatte sich seine Partei zusammen mit der CDU aufgrund der unbefriedigenden Situation an Vorstand Frank Appel von der Deutsche Post DHL Group gewandt und war vermeintlich auf Verständnis gestoßen. „Damals ist Besserung gelobt worden“, erinnert sich Behncke. Gehalten worden ist dieses Versprechen nicht.

Aufgeben wollen die Politiker trotzdem nicht. „Wir haben in den nächsten Tagen Koalitionsausschusssitzung mit der CDU, in der wir über die zweite Jahreshälfte sprechen werden. Da werde ich das Thema auf die Tagesordnung setzen lassen“, kündigte Behncke im Gespräch mit unserer Redaktion an. Mit Johannes Deußen von der CDU liegt er da auf einer Wellenlänge. „Wir werden uns in Sachen Post sicher weiter engagieren“, betont der Ratsherr. Wer sich in einer Stadt befinde, müsse erwarten können, dass er dort auch Postgeschäfte erledigen könne. „Es kann doch nicht sein, dass wir an einer solchen Stelle in der City mit einer derart hohen Kundenfrequenz kein verlässliches Postangebot haben – zumal die nächsten Filialen keineswegs fußläufig zu erreichen sind“, sagte Deußen im Telefonat mit unserer Redaktion. Bei Lippenbekenntnissen der Post-Verantwortlichen dürfe es nicht bleiben.

Zutiefst verärgert über die Zustände bei der Post ist auch Hans-Peter Preuss, der Vorsitzende des Dormagener Seniorenbeirats. Er verspüre „Ohnmacht“, sagte er, „da kommen alte Menschen aus Dormagen-Nord in die City und finden da einen Vordruck vor, dass sie in ein paar Stunden wiederkommen sollen. Das geht nicht, das regt mich wirklich auf.“ Die „Dickköpfigkeit“ des Postvorstandes sei beschämend. Deshalb begrüße er es, wenn weiter Druck gemacht werde.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen allerdings vermuten, dass es nicht reicht, immer wieder auf das Problem hinzuweisen. Schließlich hatte auch Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld mehrfach den Kontakt zu den Post-Verantwortlichen gesucht und ebenfalls keine durchgreifende Verbesserung erzielen können.

Der Imageschaden in Dormagen dürfte für die Post groß sein. Zumal auch Politiker wie Behncke allmählich nicht mehr zu Diplomatie bereit sind. „Inzwischen muss man den Postbankkunden schon raten, ihr Bankinstitut zu wechseln und den Paketkunden empfehlen, sich an die Konkurrenz der Post zu wenden“, redet er Klartext.

Zwischen den Fronten stehen bei all dem die Mitarbeiter der Postfiliale an der Römerstraße. Sie bekommen der Unmut verprellter Kunden zu spüren, vor allem, wenn mehrere Anläufe nötig sind, eine Zusendung abzuholen oder wenn die Schließfächer nicht zugänglich sind.

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