Verkehr in Dormagen-Nievenheim: Stadt muss Ortsumgehung selbst zahlen

Verkehr in Dormagen-Nievenheim : Stadt muss Ortsumgehung selbst zahlen

Die Politik ist sich einig, dass Nievenheim vom Durchgangsverkehr entlastet werden muss. Eine Ortsumgehung soll die Lösung sein. Jetzt legt die Stadt konkretere Pläne vor, wo die Strecke verlaufen soll. Aber es gibt Knackpunkte.

Laut einer Untersuchung fahren auf der Bismarckstraße heute 8100 Autos am Tag. Im Jahr 2030 sollen es 10.300 sein. Kein Wunder, dass Anwohner, Autofahrer, Stadt und Politik darin einig sind, dass eine Entlastung Not tut. Favorit ist eine Umgehungsstraße, die von der Bismarckstraße über die Marie-Schlei-Straße und den Kohnacker zur Neusser Straße/ L 380 führt. Das klingt einfach, aber reibungslos wird das nicht funktionieren, denn es gibt einige Hindernisse, die die Umsetzung erschweren. Das sind die drei größten Knackpunkte:

Finanzen Bislang war bei den Kosten für die Ortsumgehung von rund 3,5 Millionen Euro für den Straßenbau und etwa 1,2 Millionen Euro für die Entwässerung genannt. Darin sind jedoch Kosten für den Grunderwerb sowie mögliche Sonderkosten für Ausgleichsmaßnahmen und Anbindung an den Bestand noch nicht enthalten. Die Stadtverwaltung geht jedenfalls schon jetzt von höheren Gesamtkosten aus und stützt sich dabei auf Erfahrungen aus den Projekten wie Stürzelberger Straße oder Endausbau Nievenheim IV.

Erschwerend kommt hinzu, dass offenbar mit keinen Fördermitteln zu rechnen ist. Laut Straßen- und Wegegesetz NRW ist eine „Umgehungsstraße“ der Teil einer Landes- oder Kreisstraße, der der Beseitigung einer Ortsdurchfahrt dient. Da das Vorhaben also keine Umgehungsstraße in diesem Sinne darstellt, „ist eine Förderung unwahrscheinlich“, teilt die Verwaltung den Planungspolitikern mit. Somit müsste die Stadt sämtliche Kosten von am Ende wohl deutlich mehr als fünf Millionen Euro selbst bezahlen.

Gestaltung Die Verwaltung hat inzwischen im Rahmen der technischen Planung auch  eine erste Planung für den Ausbau des Knotenpunktes Bismarckstraße/Marie-Schlei-Straße erstellt. Dort soll eine Ampelanlage den Verkehrsfluss regeln. Womöglich kommt es jedoch anders, denn bei einer Bürgerversammlung wurde die Anregung geäußert, diese Anbindung in Form eines Kreisverkehrs zu gestalten.

Die Umgehung selbst führt über eine verlängerte Marie-Schlei-Straße schnurgerade in den Kohnacker und von dort in einem rechten Winkel auf die Neusser Straße.Thema ist damit auch, wie die einzelnen Übergänge zu gestalten sind. Nicht unproblematisch ist der Bereich in der Marie-Schlei-Straße vor der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. Zurzeit wird verwaltungsintern über die Gestaltung des Bereichs beraten.

Verfahren Klar ist, dass das ganze Verfahren nicht leicht ist und es dauern wird, bis der Bau starten kann. Welches Genehmigungsverfahren das richtige ist, ist noch unklar. Die Stadt hat bei der Bezirksregierung Düsseldorf angefragt, eine Antwort steht noch aus. Laut Stadt gibt es drei Varianten: ein Planfeststellungsverfahren, ein Plangenehmigungsverfahren oder ein planfeststellungsersetzender Bebauungsplan. Einschließlich erforderlicher wasser- und naturschutzrechtlicher Genehmigungsverfahren, Offenlagen etc. rechnet die Stadt für das Genehmigungsverfahren mit ca. drei Jahren. Hinzu wird es offenbar auch längere Verhandlungen geben, damit die Stadt alle benötigten Grundstücke besitzt. Der erforderliche Grunderwerb hängt zum Teil davon ab, ob die Trasse westlich oder östlich des Wirtschaftswegs vorgesehen wird.

Aufgrund der Einigkeit unter den Beteiligten ist gleichwohl mit einer Realisierung zu rechnen. Vor drei Jahren hat das Zentrum  ein Verkehrswegekonzept gefordert und über eine Ortsumgehung im Norden gesprochen. Die CDU rückte im vergangenen Jahr mit der Forderung nach einer Ortsumgehung das Thema massiv in den Vordergrund.

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