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Dormagen: Vereine fürchten neue Gebühr

Dormagen : Vereine fürchten neue Gebühr

Der Kämmerer schlägt die Einführung einer Sportstättennutzungsgebühr ab 2013 vor. Auf die Vereine kämen große Belastungen zu, die wohl nur über massive Erhöhungen der Beiträge aufzufangen wären.

Exakt 169 732,50 Euro ist der Stadt heftiger Ärger mit den Sportvereinen und dessen 18 805 Sportlern in der Stadt wert. So viel Geld will sie ab dem 1. Januar 2013 einnehmen, wenn die Sportstättengebühr greift, deren Einführung Kämmerer Kai Uffelmann im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts fordert.

Fünf Euro sollen pro Stunde für alle Sportstätten gezahlt werden. Finanziell am stärksten betroffen: der TuS Germania Hackenbroich, der 17 375 Euro im Jahr berappen soll. Heute (17 Uhr, Rathaus) wird sich der Sportausschuss mit diesem Thema befassen.

Auf welche Resonanz ein solcher Vorschlag an der Basis trifft, ist nicht überraschend: "Sollte die Sportstättengebühr tatsächlich kommen, dann könnten wir diese Belastungen nur über Beitragserhöhungen auffangen", sagt Hans Sturm, Vorsitzender der Hackenbroicher Germania. Er nennt Zahlen: "Im Durchschnitt über alle Abteilungen hinweg müsste der Beitrag im Jahr zwischen zwölf und 40 Euro teurer werden." Am stärksten betroffen wären wegen ausschließlicher Hallennutzung die TuS-Tischtennisspieler.

Dagegen rechnet der Kämmerer ganz nüchtern: Für die Unterhaltung der Fußballplätze zahlte die Stadt im vergangenen Jahr 670 000 Euro. Durch eine Sportstättennutzungsgebühr würden Einnahmen von 38 770 Euro (Außenanlagen) und 130 962,50 Euro (Turnhallen) fließen. Der Kostendeckungsgrad läge dann bei sechs bzw. 19 Prozent. Kämmerer Uffelmann: "Setzt man diese Gebühren ins Verhältnis zur Zahl der Dormagener Vereinssportler, so ergibt sich eine durchschnittliche Belastung von 9,02 Euro pro Person und Jahr."

Diese Rechnung beruhigt die Vereine nicht. Im Gegenteil. Viele haben schon Szenarien durchgespielt. "Die Beiträge müssten um mindestens hundert Prozent steigen", sagt Bernhard Boese, Vorsitzender des Tischtennis-Clubs Dormagen, der jährlich 10 350 Euro zahlen müsste. "Vielleicht kommt dann ein radikaler mitgliederschwund auf uns zu." Denn schon heute können nicht alle Mitglieder immer ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen, sagt Boese. Er sagt: "Traurig, traurig — dabei rühmt sich Dormagen seit Jahrzehnten als Sportstadt."

Hinzu kommt eine politische Komponente, die Hans Sturm aufzeigt, der auch als CDU-Mann im Stadtrat sitzt: "Ich bin nicht gegen die Römertherme und für deren Erhalt. Aber ich habe als Vereinsvorsitzender ein Problem, wenn aus Steuermitteln 200 000 Euro an den TSV fließen sollen, um deren Minus abzudecken, während auf der anderen Seite die Dormagener Vereine durch Nutzungsgebühren so stark im Mitleidenschaft gezogen werden sollen."

(NGZ/rl)