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Dormagen: Umweg nach Straßensperrung

Dormagen : Umweg nach Straßensperrung

Seit Montag ist der Verbindungsweg zwischen Hackenbroich und Worringen durch das Ineos-Gelände gesperrt. Die Alternative für Radfahrer und Schüler ist ein knapp zwei Kilometer langer Umweg durch ein Wäldchen.

Vermoderndes Laub macht den Further Weg rutschig. Nur mit Mühe kann sich Andrea Lenz auf ihrem Fahrrad halten. "Dieser Weg durch den Matsch ist ein Sicherheitsrisiko", sagt die Hackenbroicherin, die jeden Tag mit dem Fahrrad nach Köln fährt. Das Mitglied im ADFC Dormagen weist darauf hin, dass auch Schüler diesen Weg nutzen sollen, um von Worringen zum Schulzentrum Hackenbroich zu kommen.

Nötig wird der Umweg durch das Wäldchen, das sich auf Kölner Stadtgebiet befindet, weil der Chemiekonzern Ineos am Montag wie angekündigt den Straßenabschnitt zwischen dem Werktor 19 und der Kruppstraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt hat. "Damit wollen wir die zwei bisher getrennten Bereiche des Werkes verbinden", erklärt Ineos-Sprecher Tobias Spyra. Als Alternative sei eigens der Further Weg als öffentlicher Weg südlich des Ineos-Geländes angelegt worden. Auf dem liegt nun eine dicke Laub und Schmutzschicht.

Das Verwaltungsgericht Köln hatte im Februar 2011 die Klage der Stadt Dormagen gegen die Einziehung der Straße durch Ineos abgewiesen. "Wir bedauern es sehr, dass die Dormagener jetzt einen großen Umweg machen müssen", erklärte Stadtpressesprecher Harald Schlimgen gestern. Die Stadt hatte ausgerechnet, dass sich die Strecke zwischen Worringen und Hackenbroich um 1,9 Kilometer verlängert.

Da bei einer Verkehrszählung 2008 täglich 2300 Fahrzeuge den bisherigen weg durch den Chempark nutzten, geht die Stadt von einem jährlichen Umweg von 1,8 Millionen Kilometer aus. Bei ihrer Klage ging es der Stadt Dormagen laut Schlimgen nicht nur um den Umweltgedanken, sondern auch um die Entlastung des Dormagener Verkehrs: "Wir haben an die bisher nicht eingehaltene Zusage erinnert, dass Ineos vor der Sperrung der Kruppstraße erst einen eigenen Lastwagen-Anschluss erhält, um so die Anlieferwege nördlich des Chemparks zu entlasten." Das Kölner Gericht gab Dormagen nicht recht.

Von der Sperrung des Weges sind zahlreiche Dormagener betroffen, die Richtung Köln fahren wollen — und umgekehrt viele Worringer, die zum Kreiskrankenhaus Hackenbroich fahren. Außerdem müssen ab Montag auch zahlreiche Worringer Schüler, die mit dem Fahrrad zum Leibniz-Gymnasium oder zur Realschule Hackenbroich wollen, durch das Wäldchen am verschmutzen Further Weg fahren. "Das ist wegen der Rutschgefahr nicht zumutbar", findet Andrea Lenz.

Ob sie selbst weiterhin den Further Weg nutzen wird, weiß sie noch nicht. Sie hofft darauf, dass er wenigstens von der Stadt Köln gereinigt wird. Auf die Umgehungsstraße L 183n (Worringer Landstraße) noch weiter im Süden will sie nicht ausweichen: "Für mich ist jeder gesparte Kilometer ein Segen."

(NGZ)