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Projektgruppe für Informationsaustausch gegründet: Umwandlung heftig umstritten

Projektgruppe für Informationsaustausch gegründet : Umwandlung heftig umstritten

Im gesamten Rhein-Kreis Neuss gibt es zurzeit Bestrebungen, katholische Grundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln. In den meisten Fällen läuft dieser Prozess recht geräuschlos und friedlich ab.

Auch die Umwandlung der Tannenbuschschule in Delhoven vor einigen Monaten war - abgesehen von dem sehr aufwendigen Abstimmungsverfahren - kein Problem. In Hackenbroich sieht das anders aus. Damit die Situation nach einer turbulenten Informationsveranstaltung nicht weiter eskaliert, hat die Schulpflegschaft eine Projektgruppe gegründet, die die Eltern informieren und zwischen den gegensätzlichen Positionen vermitteln soll. Auch der Verein "Aktiv für Hackenbroich" und der Ausländerbeirat der Stadt Dormagen sind inzwischen eingeschaltet worden. "Integration ist das große Thema bei uns im Ort, das natürlich auch bei dieser Frage eine entscheidende Rolle spielt", sagt Guido Porting, stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft und Mitglied der Projektgruppe. Das Problem: Im kommenden Schuljahr soll der evangelische Religionsunterricht in Hackenbroich eingestellt werden.

Die Schulaufsicht verlangt gleichzeitig, dass die katholische Schule zwar auch Kinder aufnehmen darf, die nicht katholisch sind, allerdings nur, wenn sich die Eltern verpflichten, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen und sie zum katholischen Religionsunterricht schicken. "Rund 60 Prozent der Grundschüler in Hackenbroich sind muslimischen Glaubens, und ein Teil von ihnen tut sich mit dieser Vorgabe sehr schwer", sagt Porting. "Vor allem, weil sie im Ort selbst keine Alternative haben, denn es gibt keine Gemeinschaftsgrundschule." Auf der anderen Seite ständen Hackenbroicher, die ihre katholische Grundschule erhalten wollten. "Sie haben Angst, dass christliche Werte in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen", so Porting. Die Projektgruppe habe in den vergangenen Wochen Fragen von Eltern gesammelt und versucht, sie gemeinsam mit dem Kreis zu beantworten.

Im Moment werden sie in die türkische Sprache übersetzt. Bei der Stadtverwaltung werden unterdessen die Weichen für ein Abstimmungsverfahren gestellt, das im Februar über die Bühne gehen soll. Dass es eine solche Abstimmung geben wird, steht bereits fest: Zum Stichtag 10. Januar 2005 hätten 55 Anträge gestellt werden müssen - bereits jetzt liegen 166 vor. Die Abstimmung muss in einem öffentlichen Gebäude an drei aufeinander folgenden Tagen stattfinden. Sprechen sich mehr als zwei Drittel der Eltern für eine Umwandlung aus, wird die Schule ab dem kommenden Schuljahr eine Gemeinschaftsgrundschule sein. "Wichtig ist, die Eltern über dieses Verfahren zu informieren, denn eine nicht abgegebene Stimme wird gewertet wie ein Votum für die katholische Grundschule", sagt Porting. (PeS)

(NGZ)