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Dormagen: Über den Rhein nach Monheim

Dormagen : Über den Rhein nach Monheim

Dormagen und Monheim sind nur durch den Fluss getrennt. Die andere Seite ist über Brücken in Neuss und Köln sowie die Zonser Fähre zu erreichen. Statt nie realisierter Autobahnbrücke gibt es bald das "Piwipper Böötchen".

Sie sind Nachbarstädte, nur vom Rhein getrennt. Von Rheinfeld aus scheint Monheim nur einen Steinwurf weit entfernt. Aber wer ans gegenüberliegende Ufer kommen möchte, muss zurzeit noch Umwege in Kauf nehmen, Brücken in Neuss oder Köln befahren oder sich mit der Fähre in Zons übersetzen lassen. Bald kommt eine direkte Möglichkeit am Stromkilometer 714 hinzu: Am 1. September wird das "Piwipper Böötchen" mit einem Tauffest seinen Betrieb aufnehmen. Danach soll die Fähre an den Wochenenden Rheinfeld mit Monheim verbinden, wenn noch im August eine letzte fehlende Genehmigung erteilt wird.

Damit wird eine alte Fährverbindung zwischen beiden Städten wiederbelebt. Seit dem Jahr 1374 ist die Fähre zwischen Monheim und "ahm Wittenberg aufem Cöllnischen" — der heutigen Piwipp — urkundlich belegt. Bis 1977 brachte sie Fußgänger und Radler regelmäßig über den Rhein. Dann musste die letzte Pächterfamilie Siepen den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einstellen.

"Damit wurde der rege Austausch vieler Vereine und Menschen über den Rhein hinweg gekappt", erläutert Guido Schenk von der Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen. So sei Monheim fast wie "Ausland für Dormagen" geworden. Schenk, stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Piwipper Böötchen", verspricht sich von der Fährverbindung eine Belebung des Fahrrad- und Wandertourismus, aber auch gegenseitige Besuche auf Stadtfesten und zum Bummeln. Es wird geprüft, zum Beispiel zum Michaelismarkt einen Bus-Shuttle von der Piwipper Anlegestelle in Rheinfeld bis zur City anzubieten.

Planungen, eine Rheinbrücke einer A 54 als Verbindung der Autobahnen 61, 57, 59 und 3 von Monheim-Süd bis Worringen zu bauen, haben sich längst zerschlagen. Die Rheinbrücke wäre sicher auch um einiges teurer gewesen, als die knapp 300 000 Euro, die das Projekt "Piwipper Böötchen" kosten wird: Für den Bau einer 700 Meter langen Rheinquerung werden 150 Millionen Euro veranschlagt.

Die Möglichkeit, leichter an andere Rheinufer zu gelangen, befürwortet Thomas Kolbe, NRW-Pressesprecher des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft: "Damit wird definitiv die Wirtschaft in beiden Städten angekurbelt. Eine Fähre zieht Besucher an." Die Investition werde sich rentieren.

Fest eingeplant für das Schützenfest 2013 haben die Dormagener Schützen das "Piwipper Böötchen" bereits jetzt: "Damit soll die Monheimer Abordnung zu uns übersetzen", erläutert Chef Rolf Starke.

(NGZ/ac)