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Dormagen: Über 100 Lehrstellen unbesetzt

Dormagen : Über 100 Lehrstellen unbesetzt

Für Schulabgänger, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sind die Chancen gut wie nie. In Einzelhandel, Chemie-Industrie und Kfz-Handel meldet die Arbeitsagentur noch freie Stellen – und verweist an die Berufsberatung.

Für Schulabgänger, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sind die Chancen gut wie nie. In Einzelhandel, Chemie-Industrie und Kfz-Handel meldet die Arbeitsagentur noch freie Stellen — und verweist an die Berufsberatung.

Wenn Markus Büttgen, Chef der Edeka-Märkte in der Rathaus-Galerie und Stürzelberg, seine Azubis aussucht, entscheidet er aus dem Bauch heraus. "Unsere Lehrlinge müssen fleißig sein, sie müssen wollen — Überflieger nutzen mir nicht, wenn sie nach ein paar Wochen keine Lust mehr haben." Büttgen macht keinen Hehl daraus, dass es schwierig geworden ist, Auszubildende zu finden. Er könne sich vorstellen, in diesem Jahr noch eine Stelle zu besetzen — doch mit wem?

Der Einzelhandel ist nicht die einzige Branche, die noch nach Lehrlingen sucht. "Im Moment gibt es in Dormagen noch 115 freie Stellen", erklärt Viktor Sauer, der die Dormagener Zweigstelle der Arbeitsagentur leitet. Das sei relativ viel verglichen mit dem Vorjahr. Gut sind die Chancen in diversen Bereichen — in der chemischen Industrie, dem Kfz-Handel und den Sozial- und Gesundheitsberufen.

Überlaufen seien dagegen Berufe in Büros und Sekretariaten, auch wollen sich viele Jugendliche zu Arzt- und Praxishilfen ausbilden lassen. Gesucht wird laut Sauer "querbeet", egal ob Hauptschul-, Gymnasial- oder gar kein Abschluss. Die Arbeitsagentur hofft, für jeden Jugendlichen eine Alternative zu finden. Sauer glaubt, dass sich die Situation künftig sogar zu Gunsten der Bewerber verändern wird. Viele Unternehmen würde ihre Anforderungsprofile bereits jetzt aufweichen. Markus Büttgen gibt unumwunden zu: "Wir haben auch schwierige Fälle. Für den Einzelhandel bewerben sich auch immer eine Menge Chaoten." Aufgrund der späten Arbeitszeiten sei der Job für viele nicht attraktiv.

Schwierigkeiten bei der Suche hat auch Wilhelm Koch, Geschäftsführer des Logistikers Offergeld: "Ich hatte so wenig Bewerber wie noch nie", sagt Koch. Vergangene Woche hat er den ersten Ausbildungsvertrag unterschrieben, gesucht hatte das Unternehmen vier Azubis für den kaufmännischen Bereich.

Auch über die mangelnde Qualifikation echauffiert sich der Offergeld-Chef, der die Personaldecke bis Jahresende noch verstärken möchte. Alle Plätze belegt sind inzwischen bei den großen Unternehmen im Chempark. Doch beim Chemikanten-Nachwuchs hatten sich zu Beginn des Jahres auch "Engpässe abgezeichnet", wie Currenta-Sprecher Benjamin Schütz erklärt.

Ausruhen sollten sich Jugendliche auf der komfortablen Situation indes nicht. Doris Schillings, Geschäftsführerin bei der Agentur für Arbeit, meint: "Wer sich frühzeitig bei uns meldet, hat bei der Berufswahl die besten Karten." Die ersten Stellen für 2012 werden jetzt schon gemeldet.

Hier geht es zur Infostrecke: So viel verdienen Deutschlands Azubis

(NGZ/rl/ac)