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Turnerin Sarah Voss aus Dormagen: Von Rheinfeld auf dem Weg nach Tokio

Top-Turnerin aus Dormagen : Von Rheinfeld auf dem Weg nach Tokio

Die dreifache Deutsche Kunstturnmeisterin Sarah Voss will bei der WM das Olympia-Ticket lösen.

Sarah Voss ist entspannt. Sie sitzt mitten im Herzen von Dormagen, im Eiscafé, da wo sie gerne einen Kaffee trinkt oder mit Freunden ein Eis essen geht. Überhaupt kommt die 19-jährige Rheinfelderin gerne nach Hause, um sich zu entspannen und Kraft zu tanken für die anstehenden Aufgaben als Leistungs-Kunstturnerin: „Von mir aus ist es nur eine kleine Fahrradstrecke von fünf bis zehn Minuten, dann bist du direkt am Rhein, das ist sehr schön und hat etwas Beruhigendes. Ich bin auch gerne in Zons und ziehe da einfach durch die Straßen“, sagt Sarah Voss, die in letzter Zeit nicht oft die Gelegenheit hatte, die Ruhe in ihrem Heimatdorf zu genießen.

Im Mittelpunkt stand sie vor kurzem in Berlin, als sie dreimalige deutsche Meisterin im Mehrkampf, im Sprung und am Schwebebalken wurde. Damit hatte sie den Grundstein gelegt für ihre Nominierung ins Team der Deutschen Turn-Nationalmannschaft, die sich ab diesem Freitag bei der Heim-Weltmeisterschaft in Stuttgart ins Finale turnen will. Sollte dies gelingen, wäre das gleichzeitig die vorzeitige Qualifikation für die olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr in Tokio. Etwas bangen musste sie nach Berlin noch, da sie von einer Entzündung im Sesambein im Fuß geplagt war und daher nicht an der ersten Qualifikation in Stuttgart teilnehmen konnte. Das holte sie dann ein paar Wochen später in Worms nach: „Die zweite Qualifikation hat mir dann Gott sei Dank gezeigt, dass ich an den Geräten Sprung und Balken trotz der längeren Pause und Schonung, mein Zeug kann. Das hat mich im Hinblick auf die WM positiv bestärkt“, sagt Voss. Der Sprung ist eine Leidenschaft von ihr, aber auch zum Schwebebalken hat sie eine besondere Beziehung: „Das ist ein bezauberndes Gerät. Da kommen wirklich Eleganz und Power zusammen. Ins Finale zu kommen wäre absolut traumhaft.“ Daran denkt sie angesichts der enormen Konkurrenz in der Weltspitze aber nicht: „Für mich zählt es vor allem, die Punkte zu bringen, die es uns ermöglichen ins Teamfinale zu kommen. Oben bleiben ist angesagt.“ Sarah Voss hat im Oktober noch Geburtstag und könnte sich selbst in Stuttgart ein großes Geschenk machen, bei dem ihre Team-Kameradinnen allerdings mithelfen müssen.

Um überhaupt dabei zu sein, musste Sarah Voss viele Entbehrungen hinnehmen. Ferien gab es für die Abiturientin, die jetzt ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre angefangen hat, nicht: „Ich hatte wirklich acht, neun Einheiten mit bis zu 32 Stunden Training die Woche.“ Bis zum 13. Oktober ist der Blick jetzt fest in die Max-Schmeling-Halle in Stuttgart gerichtet. Danach wird sie auch wieder nach Dormagen kommen, um aufzutanken. Phasen, die sie ganz bewusst erlebt: „Ich nutze die Zeit zu Hause intensiv mit meiner Familie und Freunden und versuche da, mir auch positive Gefühle mitzugeben.“ Dazu zählt auch ein Besuch beim Handballspiel ihrer Freunde, die sie noch vom Norbert-Gymnasium kennt.