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Dormagen: TÜV: Autobahnzufahrt an Gasfirma zu gefährlich

Dormagen : TÜV: Autobahnzufahrt an Gasfirma zu gefährlich

Wann und wo der Autobahnanschluss Delrath gebaut werden kann, ist nach dem TÜV-Gutachten derzeit offen. Neue Prüfungen beginnen.

Die Stadt Neuss will ihn, um die südlichen Gewerbe- und Industrieunternehmen besser anzuschließen. Die Stadt Dormagen benötigt ihn ebenso dringend, um ein mögliches Gewerbegebiet am Silbersee viel besser vermarkten zu können: Der Autobahnanschluss Delrath wird seit Jahren diskutiert. Wann er gebaut werden kann, steht in den Sternen. Zum einen ist eine Finanzierung noch nicht gesichert, zum anderen — und das ist das größte Hindernis — muss die Zufahrts- oder Basisstraße wohl an anderer Stelle neu geplant werden. Der TÜV hält sie nicht für realisierbar, weil sie an einem Unternehmen vorbei führen soll, dass mit Spezialgasen arbeitet.

Der Nahverkehrs- und Straßenbauausschuss des Rhein-Kreises Neuss beschäftigt sich in seiner nächsten Sitzung am 13. Februar mit diesem Thema. Dort wird die Tiefbauverwaltung von dem Problem berichten. So geht es auch um Geld. Der Rhein-Kreis will mit Blick auf das Kreisstraßenbau-Programm für die Jahre 2014-2018 alle 14 Maßnahmen pauschal um ein Jahr verschieben. Neben Radwegeanlagen sind auch Straßen betroffen, darunter der Autobahnanschluss. Hintergrund ist laut Verwaltung das Notprogramm des Landes und der damit verbundene Förderstillstand. Das Land reagiert damit auf das Auslaufen der Straßenbauförderung aus Bundesmitteln im Jahr 2019. Die Kreisverwaltung verfolgt nach eigenen Angaben nun das Ziel, für die eingeplanten Maßnahmen möglichst schnell uneingeschränktes Baurecht zu schaffen und Zuschussanträge zu stellen, bevor der Finanzrahmen völlig ausgeschöpft ist. Für den Autobahnanschluss Delrath geht es um 3,25 Millionen Euro, der Anteil des Kreises beträgt 1,3 Millionen Euro.

Aber selbst, wenn die Finanzen stimmen, stellt sich die Frage: Wo soll der Anschluss denn gebaut bzw. wo können die Zufahrtsstraßen angelegt werden? Mit dem Unternehmen Gerling, Holz & Co (GHC) an der Siemensstraße liegt eine Firma in unmittelbarer Nähe des gedachten Standortes, die mit zum Teil gefährlichen und giftigen Industrie- und Pharmaziegasen arbeitet. Daher muss ein ausreichender Sicherheitsabstand zwischen Unternehmen und AB-Anschluss bzw. Zufahrtstraße vorhanden sein. Das ist laut einer Studie des TÜV offenbar nicht möglich. Wegen der vergleichsweise geringen Entfernung können die Gutachter keine "technisch praktikablen und zugleich verhältnismäßigen Maßnahmen" ermitteln, die "zu einer einfachen Lösung des Konflikts führen würden", führt die Verwaltung in der Unterlage für die Ausschussmitglieder aus.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke setzt jetzt auf dass Planfeststellungsverfahren der Bezirksregierung. Es gehe jetzt auch um Abwägungsprozesse, sagt er. Um die Frage: "Ist es wichtiger, dass dort ein Autobahnanschluss gebaut wird oder dass dort nichts passiert?" Das Thema soll mit allen Behörden vorangetrieben werden. Peter Stampe, Geschäftsführer von GHC, das seit über 30 Jahren an der Siemensstraße zu Hause ist, sagt: "Wir kooperieren mit allen Stellen und haben auch den TÜV bei dessen Untersuchungen unterstützt." Ob für ihn eine Verlagerung des Unternehmens in Frage kommt? "Dazu kann ich keine Stellungnahme abgeben."

(NGZ)