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Dormagen: Tüftler sparen dem Chempark Millionen

Dormagen : Tüftler sparen dem Chempark Millionen

Achim Brandes und Lars Szuka haben mit ihrem Verbesserungsvorschlag zum Thema Klärschlamm geholfen, dass ihr Arbeitgeber keine sechs Millionen Euro in neue Klärbecken investieren muss. Sie profitieren mit einer satten Prämie.

Ein Chemiestudium ist keine Voraussetzung, um im Chempark seinem Arbeitgeber Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, die helfen, viel Geld zu sparen. Kreativität, Einsatz und eine Prise Liebe zum Arbeitsplatz sind die Zutaten, aus denen der Ideen-Cocktail gemixt wird. So wie bei Lars Szuka und Achim Brandes. Die beiden Chempark-Mitarbeiter haben bereits vor fünf Jahren einen ebenso einfachen wie genialen Vorschlag unterbreitet, der eine Sechs-Millionen-Euro-Investition in neue Klärbecken spart. Ihr Lohn: Jeweils eine Prämie in fünfstelliger Euro-Höhe. Wie viel genau, will das Kreativ-Duo nicht verraten.

Szuka und Brandes sitzen lässig im Besprechungsraum und schauen verschmitzt drein. Es ist nicht nur die Freude über ihren Vorschlag, der zu einer der höchsten Einsparungen im Chempark überhaupt geführt hat. Nein, es ist auch das Wissen, gleich weitere Ideen ausgetüftelt zu haben. Da geht es dann um das Thema Abluft und den Schutz der in der Klärschlamm-Entsorgung wichtigen Bakterien. Spezialthemen, denen sich das Duo widmet. "Das Besondere daran ist", sagt ihr Chef, Betriebsleiter Mathäus Schmidt, "dass ihre Verbesserungsvorschläge einfach sind".

Wie bei ihrem Coup: Fünf Jahre arbeiteten Betriebsingenieur Szuka und Betriebsmeister Brandes an der Idee, reinen Sauerstoff in die Treibwassersysteme der Kläranlage einzudüsen. "Die Sauerstoffzufuhr können wir jetzt je nach Bedarf zu- oder abschalten", erklären beide. Der erhöhte Sauerstoffeintrag erlaubt es, im Klärbecken die Zahl an Bakterien deutlich zu steigern. Folge eins: Dadurch werden mehr Schadstoffe abgebaut. Folge zwei: Chempark-Betreiber Currenta ersparte sich den Neubau von sechs Millionen Euro teuren Klärbecken.

Weil es zu Problemen in der Anlage kam, setzten sich die beiden Mitarbeiter des Umweltbereiches hin und tüftelten an einer nachhaltigen Verbesserung. "Durch das Ausschließen von Lösungen, die andere Betriebe bereits versucht haben, kamen wir immer weiter", erzählt Brandes. Letztlich war es ein sechs Meter langer Schlauch, mit dem es, vereinfacht gesagt, gelang, reinen Sauerstoff ins Becken zu treiben. Mitentscheidend für diese und andere Ideen ist, sagen die beiden, die Rückendeckung des Teams und durch Betriebsleiter Mathäus Schmidt. Der war zwar anfangs skeptisch ob des Erfolgs des Vorschlags, unterstützt hat er dennoch.

Wer Achim Brandes in seiner Werksmontur mit Sicherheitshelm begegnet, vermutet nicht, dass er einem der besten Fußball-Verteidiger in den 1980/90er-Jahren in der Region gegenübersteht. Der heute 52-Jährige spielte beim TSV Bayer Dormagen und dem Lokalrivalen FC Zons in Verbands- und Landesliga, ein unerbittlicher Kämpfer mit guten technischen Fähigkeiten. "Eine sehr schöne Zeit", erinnert er sich gerne, "wir hatten eine richtig gute Mannschaft damals." Weggefährten wie die beiden lokalen Top-Stürmer Detlef Adam oder Herbert Reichert sind heute im Chempark Arbeitskollegen. Seit 37 Jahren arbeitet er schon "beim Bayer", angefangen als Laborhelfer, später als Chemikant, ehe er die Meisterschule besuchte. Heute ist Brandes, verheiratet, Vater zweier Kinder, bei Currenta Umwelt angestellt.

Seine Kollege Lars Szuka, 40 Jahre alt, absolvierte 1991 eine Ausbildung zum Chemikanten, wechselte danach direkt zu Currenta Umwelt. Nach der Meisterprüfung hängte Szuka, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Rosellen lebt, den Verfahrenstechniker dran. Sportlich mag er es an der Tischtennisplatte bei der DJK Neukirchen oder als Jugend-Betreuer beim SV Rosellen.

(NGZ/rl)