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DHC Rheinland: Zurück in die achtziger Jahre

DHC Rheinland : Zurück in die achtziger Jahre

Seine erste Saisonniederlage hatte Handball-Zweitligist DHC Rheinland sich selber zuzuschreiben. Doch auch die Art und Weise, wie die Gegner mittlerweile versuchen, den Dormagener Spielfluß zu stoppen, trug dazu bei.

Richard Ratka war sichtlich angefressen. Nicht so sehr über die schlechteste Saisonleistung, die seine Schützlinge im sechsten Spiel der eingleisigen Zweiten Liga boten. Auch nicht darüber, dass sie zwangsläufig in die erste Saisonniederlage mündete. Doch die Art und Weise, wie das 20:23 im Lokalduell gegen TuSEM Essen zustande kam, hatte dem Trainer des DHC Rheinland gehörig die Laune verdorben am Freitagabend.

"Ich weiß nicht, wo das hinführen soll", sagt Ratka mit Blick auf die Spielweise, mit der vor den Essenern bereits der HC Erlangen versucht hatte, den Dormagenern beizukommen: Eine rustikale Abwehrarbeit, bei der viel Halten, Klammern und Trikotzupfen zum Tagewerk gehört, gepaart mit in schier unendlicher Länge vorgetragenen Angriffen. "Die haben sich doch 20 Sekunden nur den Ball zugespielt, bevor sie überhaupt angefangen haben, Druck aufzubauen", schimpfte Ratka.

Nun sind solche Mittel durchaus legal, so lange die Schiedsrichter sie tolerieren. Die in der Zweiten Liga, meist nicht die Besten ihrer Zunft, tun das. Vielleicht aus Selbstschutz, weil sie mit dem in den vergangenen Jahren immer schneller, immer dynamischer und athletischer gewordenen Spiel sonst nicht mehr mithalten können. Eine Partie, in der pro Minute nur ein Angriff vorgetragen wird statt zwei oder sogar drei, eine, in der nur 40 bis 50 Tore fallen statt 60 bis 70, ist einfacher zu leiten, erfordert weniger Kondition und Konzentration.

Die Folgen sind leicht an der Tabelle abzulesen: Es fallen deutlich weniger Tore als in den vergangenen Spielzeiten. "Der Trend war schon im letzten Jahr so, aber es hat sich noch verschärft", sagt David Breuer, einer der wenigen im Dormagener Kader, die über Erfahrungswerte aus der Zweiten Liga verfügen. Der Linkshänder, im Trikot des TV Korschenbroich immer in der Spitzengruppe der Zweitliga-Torschützen zu finden, leidet besonders stark unter der neuen Spielweise, denn seine Art des Handballs lebt vom Tempo.

"Wir sind auf dem Weg zurück in die achtziger Jahre", sagt Ratka. In eine Zeit, in der Partien, in denen ein Beteiligter mehr als 20 Treffer erzielte, als torreich galten, in der die inzwischen als ausgestorben geltende Spezies des Abwehrspezialisten den Ton auf dem Feld angab. "Wir werden uns auf diese Spielweise einstellen müssen", ist der Ex-Nationalspieler überzeugt.

Denn dank des Essener Sieges wird sich in der Branche schnell herumsprechen, wie der DHC zu stoppen ist. "Ich bin gespannt, wie meine Mannschaft reagiert", sagt Ratka: "Finden wir am Sonntag in Rostock die passende Antwort oder war das der Beginn einer Abwärtsspirale?" Was nicht allein von seinen Schützlingen abhängt.

(NGZ)