DHC Rheinland: "Wir müssen vom Thron steigen"

DHC Rheinland : "Wir müssen vom Thron steigen"

Richard Ratka, Trainer des Dormagener HC Rheinland, spricht vor dem Heimspiel am Sonntag gegen die HG Saarlouis über die Gründe für die Negativserie des Handball-Zweitligisten, der zuletzt vier Niederlagen in Folge mit 125 Gegentreffern kassierte

Handball-Zweitligist Dormagener HC Rheinland wartet seit dem 21. Oktober auf ein Erfolgserlebnis. Nach dem 25:22-Sieg über den TV Neuhausen und dem wegen Unbespielbarkeit des Hallenbodens ausgefallenen Partie in Schwerin (siehe Info-Kasten) setzte es für den Erstliga-Absteiger vier Niederlagen in Folge, zuletzt am Sonntag das 37:44 beim Titelanwärter GWD Minden. Über die Gründe für die Negativserie sprach die NGZ mit DHC-Trainer Richard Ratka.

Herr Ratka, haben Sie in Ihrer langen Laufbahn als Spieler und Trainer schon einmal solch ein aberwitziges Spiel erlebt wie in Minden, in dem insgesamt 81 Tore gefallen sind?

Richard Ratka Ich kann mich an ein paar ganz ähnliche Spiele erinnern, aber ich weiß nicht mehr so genau, ob da so viele Tore bei waren. Ich glaube eher nicht. Im Nachhinein muss ich einfach sagen, dass wir unglaublich schlecht gedeckt haben.

Nun war die Deckung zu Saisonbeginn der Erfolgsgarant für den DHC. Schließlich haben Sie in den ersten neun Saisonspielen im Schnitt 22,5 Gegentreffer kassiert, in den letzten drei 33,5. Was ist da passiert?

Ratka Wir schaffen es nicht mehr, über sechzig Minuten ein Gesamtpaket zu schnüren. Mal sind wir im Angriff stark wie in Minden, mal in der Abwehr. Das heißt, wir verteilern unsere Qualitäten über mehrere Spiele statt sie in einer Partie abzurufen. Genau darüber haben wir in dieser Woche auch intensive Gespräche gehabt. Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie das morgen Abend gegen die HG Saarlouis entsprechend umsetzt.

Die hohe Anzahl der Gegentreffer geht einher mit eher mäßigen Leistungen des anfangs überragenden Jendrik Meyer zwischen den Torpfosten. Steckt er in einer Formkrise oder ist das eine Folge der schwachen Leistung seiner Vorderleute?

Ratka Jendrik ist sicher im Moment in einem kleinen Tief, aber das passiert jedem Torhüter im Laufe einer Saison. Insgesamt ist eine gute Torhüterleistung immer von der Deckung abhängig, man muss diese Positionen als Einheit sehen. Nur wenn deren Zusammenspiel funktioniert, hat man auf Dauer Erfolg.

Nun haben Ihre Schützlinge sicher nicht im Laufe des Novembers das Handballspielen verlernt. Worauf führen Sie den Formeinbruch zurück?

Ratka Für mich ist das im Wesentlichen eine Sache des Kopfes. Nach dem tollen Start, den wir hingelegt haben, haben uns viele stärker gesehen als wir tatsächlich sind — möglicherweise auch innerhalb der Mannschaft. Aber wir sind in dieser Zweiten Liga kein Spitzenteam, das habe ich von Anfang an gesagt und das zeigt sich eben auch jetzt. Wir sind nicht in der Lage, irgendein Spiel mal eben so zu gewinnen — wir müssen immer an unsere Grenzen gehen, und das hat zuletzt gefehlt.

Wie wollen Sie gegensteuern, ehe die Negativserie bedrohliche Ausmaße annimmt?

Ratka Das geht nur über die Einstellung. Wir müssen ganz schnell von unserem kleinen Thron 'runtersteigen, den sich einige nach den 10:0 Punkten zum Start errichtet haben.

Zumal die eingleisige Liga immer kuriosere Formen annimmt — Platz 6 und 16 trennen gerade mal 4 Punkte.

Ratka Die Liga ist vollkommen ausgeglichen und dadurch unberechenbar. Jede Mannschaft ist in der Lage, so gut wie jedes Spiel zu gewinnen — oder zu verlieren.

Simon Breuer, der Spielmacher Ihres übernächsten Gegners TV Korschenbroich, sagt: Oben stehen nicht die, die den besten Handball spielen sondern die, die am eingespieltesten sind.

Ratka Da ist 'was dran. Handball ist nun mal ein Teamsport, und mit einer eingespielten Mannschaft kann man individuelle Schwächen kompensieren. Das ist ja auch die Chance, die man als Aufsteiger selbst in der Ersten Liga hat. Womit wir wieder beim Thema wären: Wir sind eben noch keine eingespielte Truppe.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ)
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