DHC Rheinland : "Wir kämpfen weiter"

Die Moral ist ungebrochen beim Dormagener HC Rheinland – auf dem Spielfeld wie hinter den Kulissen. Mit dem von der Lizenzierungskommission der HBL angekündigten endgültigen "Aus" für den Bundesliga-Handball will sich noch niemand abfinden in Dormagen.

Heinz Hilgers ist schlachterprobt. Ob als Landtagsabgeordneter oder Bürgermeister, ob an der Regierung oder in der Opposition, der 62-Jährige hat selten eine Auseinandersetzung gescheut. Nach einem Tag Schockstarre, als er sich beinahe mit dem endgültigen Aus für den Bundesliga-Handball in "seiner" Stadt abgefunden zu haben schien, hat Heinz Hilgers sein Kämpferherz wieder entdeckt.

"Wir haben die ganze Arbeit doch nicht für die Katz' geleistet", sagt Hilgers mit Blick auf die 200 000 Euro an Spenden und Sponsorengeldern, die zur Rettung des Dormagener HC Rheinland innerhalb von nicht einmal zwei Monaten nach Einreichung des Insolvenzantrags zusammen gekommen sind.

"Danke Dormagen", sagt Heinz Hilgers angesichts dieser Summe. Und verspricht im gleichen Atemzug: "Wir kämpfen weiter." Wobei der Gegner in diesem Fall übermächtig zu sein scheint. Schließlich entscheidet allein die dreiköpfige Lizenzierungskommission der Handball-Bundesliga (Mitglieder HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, Dr. Siegfried Friedrich, Wirtschaftsprüfer der Firma Rölfs Partner sowie Rolf Nottmeier, Vorsitzender Richter am Arbeitsgericht Minden) über Wohl und Wehe der künftig nur noch 38 Erst- und Zweitligisten. Und die hat in der vergangenen Woche dem DHC Rheinland, so Insolvenzverwalter Dirk Andres, zu verstehen gegeben, dass sie ihm keine Lizenz für die Zweite Liga erteilen wird (die NGZ berichtete). Hilgers bringt das auf die Palme: "Ich bin auch Präsident einer Dachorganisation", sagt der Frontmann des Deutschen Kinderschutzbundes, "wenn eine unserer Unterorganisationen oder Ortsvereine in Not geraten sollte, würde ich alles dafür tun, denen zu helfen. Genau das erwarte ich auch von der HBL, denn die ist doch für ihre Vereine da und lebt von ihnen."

Knackpunkt im Streit zwischen HBL und DHC ist der wirtschaftliche Träger für den Spielbetrieb in der kommenden Saison. Während die HBL auf einer Neugründung zu bestehen scheint, sehen DHC-Geschäftsführer Heinz Lieven und Insolvenzverwalter Dirk Andres dazu keine Notwendigkeit, weil die seit Freitag laufende Insolvenz spätestens Ende Juni abgeschlossen und der DHC wirtschaftlich saniert sein soll: "Wir machen genau das, was das deutsche Insolvenzrecht als Idealfall ansieht: Eine in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindliche Gesellschaft zu sanieren, am Leben und dadurch Arbeitsplätze zu erhalten", sagt Lieven. Sein Vorwurf: "Wir praktizieren die saubere Lösung. Aber saubere Lösungen scheint man im Handball nicht zu kennen oder nicht zu wollen."

In die gleiche Kerbe zielt Dieter Welsink: "Es kann nicht sein, dass sich der Sport mit seinen Regelungen über geltendes Recht hinwegsetzt", sagt der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion. Er will sich heute mit Landrat Hans-Jürgen Petrauschke beraten, "was wir machen können. Diese Vorgehensweise der HBL ist ein Fall für die Politik." Das Problem: Dem DHC läuft die Zeit davon (siehe Beitrag: Die Zukunft). Das weiß auch Heinz Hilgers. Klein beigeben will der Alt-Bürgermeister dennoch nicht. Schließlich haben ihm Kämpfe schon immer Spaß gemacht.

(NGZ)