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DHC Rheinland: Was alles schiefläuft beim DHC

DHC Rheinland : Was alles schiefläuft beim DHC

Seit dem 30. Oktober 2011 hat Handball-Zweitligist DHC Rheinland nur zwei von elf Meisterschaftsspielen für sich entschieden. Die 23:28-Schlappe gegen den ASV Hamm lässt Zweifel aufkommen, ob diese Mannschaft in der Lage ist, dem Abstieg zu entgehen. Eine Bestandsaufnahme:

Mit etwas Humor könnte man behaupten, dass die Anwesenheit von Ex-Trainer Kai Wandschneider auf der Tribüne die Handballer des DHC Rheinland so lähmte am Freitagabend, dass sie gegen den ASV Hamm von einer Verlegenheit in die nächste stolperten.

Doch das Lachen ist den Dormagener Handballfans eine Woche vor Karneval längst vergangen. Die von der Höhe her schmeichelhafte 23:28-Niederlage gegen den Mitabsteiger aus der Ersten Liga bedeutete den vorläufigen Tiefpunkt in den vergangenen neun Jahren. Allenfalls in der ersten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg aus der Regionalliga (Saison 2002/03) hat sich eine Dormagener Handballmannschaft solche Offenbarungseide vor heimischem Publikum geleistet wie am Freitagabend – in spielerischer, vor allem aber in kämpferischer Hinsicht.

Die Bilanz ist verheerend: Seit dem 30. Oktober 2011, als der DHC kampflos beim Post SV Schwerin gewann, haben die Dormagener nur noch zwei von elf Partien für sich entschieden: mit 26:23 gegen die HG Saarlouis, mit 36:33 beim TV Korschenbroich. Die Schlappe gegen Hamm war die fünfte Niederlage in Folge, die sechste insgesamt in heimischer Halle, vor der früher selbst Erstligisten Respekt hatten. Inzwischen ist die "Festung" am Höhenberg zur Lachnummer verkommen – nur der künftige Kooperationspartner HSG Düsseldorf, dessen Chef Frank Flatten Augenzeuge des Desasters war, hat von allen 20 Zweitligisten eine noch schlechtere Heimbilanz als der DHC.

Die Folge: 16:2 Zählern aus den ersten neun Saisonspielen folgten deprimierende 4:18 Punkte aus den nächsten elf. Die Abwärtsspirale, die kaum zu stoppen scheint, macht aus den Dormagenern einen Abstiegskandidaten – auch ohne die acht Punkte, die ihnen am Saisonende abgezogen werden. Subtrahiert man sie jetzt, bildet der DHC zusammen mit Korschenbroich, Düsseldorf und dem 1. VfL Potsdam das Abstiegsquartett.

Die Gründe für den Niedergang sind vielschichtig. Ihn nur auf das Fehlen von drei verletzten Stammspielern zurückzuführen, wäre zu einfach. Der Versuch einer Bestandsaufnahme: Das Saisonziel Damit geht es schon los: Es gibt keines, zumindest kein klar definiertes. Die viel zitierte "sorgenfreie Saison" liefert den Spielern einen Freibrief, jede Niederlage nach dem Motto abzuhaken: Ist ja alles nicht so schlimm, dann gewinnen wir halt das nächste Spiel. So erklärt sich auch die Abwärtsspirale innerhalb einer Partie: Gerät der DHC in Rückstand, haken die meisten Akteure das Spiel ab. Die Zukunftsvisionen Sie sind tödlich, weil sie den Blick auf das Hier und Jetzt trüben. Die aktuelle Spielzeit als neun Monate dauerndes Trainingslager für die nächste Saison anzusehen, in der es dann "in die Vollen" gehen soll, muss zwangsläufig im Desaster enden. Die Hierarchie Es gibt keine. In dieser Mannschaft darf jeder tun (und lassen), was er will, ohne dass dies Konsequenzen hat: Werfen oder passen, zurücklaufen oder nicht – kein Spieler weist seinen Nebenmann zurecht, keiner muntert auf, keiner kritisiert. Ein Beispiel: Nach 26 Minuten bekommt der DHC am Freitagabend den ersten Siebenmeter zugesprochen. Während sich auf der Bank Florian von Gruchalla, eigentlich Strafwurfschütze Nummer eins, die Trainingsjacke auszieht, schnappt sich Michael Hegemann den Ball – und scheitert an ASV-Keeper Tomas Mrkva. Keiner sagt etwas dazu. Hegemann, als "Führungsspieler" aus Düsseldorf geholt, hat damit zwar Verantwortung übernommen. Doch weil Gruchalla die folgenden drei Strafwürfe sicher verwandelt, hat die Autorität des Ex-Nationalspielers schon jetzt einen Knacks. Das Umfeld Es gibt keins. Der Trainer ist für das Sportliche da, der Trainer muss sich schützend vor seine Spieler stellen. Doch eine Mannschaft, zumal eine ohne innere Führung, braucht jemanden für die klaren Ansagen, jemand, der auch mal in der Kabine laut wird oder (Geld-)Strafen verhängt. Das Fazit Der Zeiger an der Dormagener Handball-Uhr hat die "fünf vor Zwölf" längst überschritten. In dieser Woche muss etwas passieren – nur was? Trainerwechsel: Steht nicht nur mit Blick auf die neue Spielgemeinschaft außer Frage, denn Richard Ratka ist deren Bindeglied. Sondern auch, weil ihm keine taktischen Fehler vorzuwerfen sind. Neue Spieler: Sie würden noch mehr Unruhe bescheren. Spieler suspendieren: Kaum möglich, denn alle spielen immer gleich gut oder gleich schlecht. Doch wird nicht bald der Schalter umgelegt, riecht es nach Abstieg – und das verdammt brenzlig.

(NGZ)