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Tsv Bayer Dormagen: Vom Titel spricht keiner am Höhenberg

Tsv Bayer Dormagen : Vom Titel spricht keiner am Höhenberg

Weil sie nicht aufsteigen durften, gehen die Dormagener Handballer als Titelverteidiger in die neue Spielzeit der Dritten Liga West. Doch als Saisonziel gibt Trainer Jörg Bohrmann eher bescheiden "einen Platz unter den ersten Fünf" aus.

Auch nach drei Jahrzehnten Profi-Handball in Dormagen – 1983 gelang dem TSV Bayer erstmalig der Aufstieg in die Zweite Liga – gibt es am Höhenberg noch Neuerungen: Zum ersten Mal auf einer Pressekonferenz zum Saisonstart wurden gestern konkrete Zahlen über den Etat genannt.

Der beträgt, "ohne Sachleistungen wie Bälle, Trikots oder Gegengeschäfte 340 000 Euro", sagt Handball-Koordinator Björn Barthel. Damit dürfte der Meister der vergangenen Spielzeit im oberen Mittelfeld der Dritten Liga West anzusiedeln sein. Spitzenreiter in einer Liga, "in der vor allem die Top-Klubs enorm aufgerüstet haben", wie Mannschaftskapitän Tobias Plaz mit Blick auf die Kaderlisten der Konkurrenz feststellt, ist der Wilhelmshavener HV, der dem Vernehmen nach rund das Doppelte ausgibt und so wohl auch die Rückkehr von Ex-Nationalspieler Oliver Köhrmann von Erstliga-Absteiger TV Großwallstadt in das von seinem Bruder Christian gecoachte Team des Vorjahresvierten finanzieren konnte.

Entsprechend vorsichtig sind sie am Höhenberg, wenn es um die Formulierung des Saisonzieles geht. Das solle "die Mannschaft intern selber festlegen", sagt Barthel, "von uns gibt es jedenfalls keinen Druck." Den verspürt auch Jörg Bohrmann nicht. Natürlich, weiß der ehemalige Bundesliga-Profi (Wallau, Niederwürzbach, Nettelstedt), der in sein zweites Jahr auf der Trainerbank eines Dormagener Seniorenteams geht, "hat die vergangene Saison viele Erwartungen geweckt. Für uns ist aber nach wie vor am wichtigsten, dass wir weiterhin versuchen, das Publikum zu begeistern." Was nach gehörigem Understatement klingt, hat einen durchaus realistischen Hintergrund. Zum einen sind auch Bohrmann die Transferbemühungen der Konkurrenz nicht verborgen geblieben. "Die Liga hat sich gewaltig verstärkt", sagt der 44-Jährige und nennt Zweitliga-Absteiger TuS Ferndorf, Wilhelmshaven, Eintracht Hagen, den Leichlinger TV und die HSG Varel als Hauptanwärter auf einen Spitzenplatz: "Selbst der TV Korschenbroich hat das Potenzial, oben anzugreifen", ist Bohrmann mit Blick auf den einen Lokalrivalen überzeugt, während er über den neuen anderen sagt: "Der Neusser HV ist stärker, als viele denken. Die spielen genau den Handball, um die Klasse zu halten."

Zum anderen sind da die eigenen personellen Unwägbarkeiten. Zwar hat Bohrmann in Torhüter Sven Bartmann, Rechtsaußen Peter Strosack und den Rückraum-Hünen Jonathan Eisenkrätzer und Janik Köhler nach eigenem Bekunden seine "Wunschspieler" als Verstärkung erhalten. Doch die müssen erst einmal "in die Abläufe und Automatismen integriert" werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Verletzungspech, "von dem wir im Vorjahr weitgehend verschont geblieben sind" (Barthel), diesmal kräftig zugeschlagen hat. Stand gestern muss der TSV das erste Punktspiel heute in einer Woche gegen Ferndorf (19.30 Uhr, TSV-Bayer-Sportcenter) ohne den Langzeitverletzten Moritz Preuss, den am Dienstag erfolgreich an der Schulter operierten Sebastian Damm, ohne Markus Breuer (Muskelverhärtung) und Robin Doetsch (Bänderriss) bestreiten. "Und das bei unserem schweren Auftaktprogramm", sagt Bohrmann, "da kannst du schon ein paar Punkte verlieren und erst mal Abstand zur oberen Region bekommen." Einen "Platz unter den ersten Fünf" hat sich der Trainer vorgenommen, und auch sein Mannschaftskapitän glaubt: "Die Spitze der Liga ist so ausgeglichen, da kann es auf Nuancen ankommen."

Egal, auf welchem Tabellenplatz der TSV letztlich landet, für Jobst Wierich ist eines wichtig: "Unser Anspruch muss sein, die Nummer eins im Rhein-Kreis zu sein. Deshalb", fordert der Sprecher des neugegründeten Wirtschaftsbeirats, "müssen wir den anderen immer einen Schritt voraus sein."

(NGZ)